Der gerochene Elephant

von Alexander Moszkowski

[1]

O seht! in scharfem Trabe durch tiefen Wüstensand,

Wer ist es, der dort rennet? es ist der Elephant!

Ihn hetzt ein wilder Jäger auf seinem guten Roß,

Im Flintenlaufe hält er das tödliche Geschoß.

Sag’ an, Du wilder Jäger, was hetzt Du dieses Tier

Quer durch die große Wüste bis an das Waldrevier?

Eh’ ich das Tier getroffen, erjag’ ich keine Ruh’,

Ich muß sein Fell besitzen und seinen Zahn dazu!“

Am Uferrand des Waldes zertritt mit großem Lärm

Das Unterholz, das morsche, der dicke Pachyderm [2];

Da kracht das Rohr — getroffen sinkt hin der Elephant,

Zum Himmel schmerzdurchfeuchtet sein Auge ist gewandt.

„Weh’ Dir, verruchter Jäger, der Du mich strecktest hin,

Es werde meine Beute Dir nimmermehr Gewinn,

Aus dem Gebein, o Jäger, das Dir erschien so schön,

Soll Kummer Dir und Schrecken für alle Zeit entsteh’n!“

So hat das Tier trompetet— der Himmel hat’s gehört;

Der Jäger mit der Beute hat Afrika durchquert,

Nach Hamburg kam er schließlich, wo er der Zähne Pracht

Mit Hilfe eines Maklers zu eitel [3] Golde macht’.

Und manche Jahre später, klein Elsbeth wuchs heran,

Des wilden Jägers Tochter, der soviel Geld gewann,

Es war der süße Backfisch [4] der Mädchenschule Zier,

Klein Elsbeth konnte singen und spielte auch Klavier.

Frühmorgens schon um sechse brach der Spektakel [5] los,

Da übte sie Etüden [6], gleich einen ganzen Stoß;

Im Bett’ lag noch der Vater, der fluchte, schrie und keucht’,

Weil ihm den Morgenschlummer der Tochter Spiel verscheucht.

Und eine Geisterstimme vernahm er jedesmal:

Nun leidest Du, o Jäger, die größte Höllenqual;

Wie ich es einst verkündet, so ist es nun gescheh’n,

Mir sollten meine Rächer im Tastenwerk [7] entsteh’n;

Aus meinen Überresten entstand das Instrument,

Das Deine Seele peinigt und Deine Nerven brennt,

Des Elfenbeines wegen schufst Du mir Todespein —

Zur Folter ist geworden Dir selbst mein Elfenbein!

 


Anmerkungen

[1] „gerochen“: falsches Partizip zu „rächen“, das häufig ungebildeten, aber rachsüchtigen Menschen in den Mund gelegt wird.
[2] Dickhäuter.
[3] Hier im Sinne von: ganz reines.
[4] Junges, unreifes Mädchen; der Begriff bezeichnete urspünglich zu junge Fische, die nach einer Erklärung „back“ in das Meer geworfen werden oder nach einer anderen nur zum Backen taugen.
[5] Lärm, Krach.
[6] Übungsstücke.
[7] Die Tasten wurden aus Elfenbein hergestellt.

Entnommen aus:

Alexander Moszkowski: „Anton Notenquetscher’s Heitere Dichtungen“ Erstveröffentlichung 1894 (Neuausgabe bei Libera Media):

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Absetzung des Sultans vom Khalifat?

Neue Freie Presse (Wien), 2. Juni 1880

Auf der Pforte soll man wegen der noch vor einigen Tagen aus Mesopotamien eingelangten Nachrichten über die Ausbreitung des Aufstandes unter den Muntefiks in um so größerer Besorgniß sein, als seitdem die  telegraphischen Verbindungen mit Mesopotamien unterbrochen wären. Nach den letzten von dort vorliegenden Meldungen beabsichtige ein großer arabischer Scheikh, die Absetzung des Sultans vom Khalifat zu proclamiren.

Erläuterungen

  • Pforte: Sitz des Sultans, im übertragenen Sinne: Regierung des osmanischen Reiches.
  • Mesopotamien: Zweistromland, Teil des osmanischen Reiches, heute Irak. Speziell ist hier in der Nachricht das Gouvernement Dhi Qar im Süden des Irak mit der Hauptstadt Nasiriyah gemeint.
  • Muntefiks: der schiitische Stamm der Muntefik (türkisch auch: Müntefik, arabisch: Muntafiq), dessen führender Clan, die Shebib-Sa’dun allerdings Sunniten waren und der auch in den Romanen von Karl May erwähnt wird.
  • Khalifat: der Sultan war auch Kalif (Nachfolger des Propheten), er wird es auch noch eine Weile bleiben, denn das Kalifat wurde erst am 3. März 1924 von Mustafa Kemal Atatürk abgeschafft.
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Eine Perle von Alex Tabarrok

In einem Blogpost auf Marginal Revolution über Denkmalschutz und, warum man diesen abschaffen sollte (nicht unbedingt, daß man nichts mehr erhalten würde):

„[…] a confident nation builds so that future people may look back and marvel at their ancestors ingenuity and aesthetic vision. A nation in decline looks to the past in a vain attempt to “preserve” what was once great. Preservation is what you do to dead butterflies.“

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Wieviele würden kommen, wenn die Grenzen geöffnet werden?

Auf die im Titel gestellte Frage gibt es zwei Antworten, die beide vertreten werden, und das mit plausiblen Argumenten: (1) sehr viele und (2) eigentlich würde sich nicht viel ändern. Offensichtlich können beide Antworten nicht gleichzeitig richtig sein.

Entweder — oder.

Das hängt aber nicht daran, daß die Argumente unbedingt falsch sind, die jeweils vorgebracht werden, sondern daran, daß zwei unterschiedliche Fragen beantwortet werden. Entscheidend ist dabei, was man unter „Grenzen öffnen“ genau versteht.

Beginnen wir mit den Argumenten. Da es hier nicht darum gehen soll, die Details zu verfolgen, sondern den grundlegenden Unterschied herauszuarbeiten, werden die beiden Seiten nur skizziert.

Antwort 1

Es würden sehr viele kommen.

Nach weltweiten Umfragen von Gallup (hier Zahlen von 2009, die seit der Krise etwas gesunken sind) wären sehr viele Menschen an einer Einwanderung in reiche Länder interessiert, wenn sie die Möglichkeit hätten. Deutschland steht dabei, vermutlich aus sprachlichen Gründen, nicht unbedingt im Fokus, ist aber durchaus attraktiv. Die Größenordnung liegt im zweistelligen Millionenbereich, etwa bei 25 bis 30 Millionen Einwanderern, die, wenn sie könnten, gerne nach Deutschland einwandern würden. Offensichtlich wären das sehr viele, die kommen wollten, weit mehr als bisher kommen können.

Hinzu käme, daß die Einwanderer vermutlich eher jung sind. Gründen sie hierzulande Familien, so kommen zur Zahl der eigentlichen Einwanderer noch etwa zwei Generationen hinzu, die mit ihnen kommen, ohne je einzuwandern (das genaue Argument werden wir an anderer Stelle ausführen, hier eine Darstellung auf Englisch). Damit würde der Bevölkerungszuwachs über ein halbes Jahrhundert sogar etwa auf dem Niveau der bisherigen Bevölkerung liegen, für andere Länder sogar darüber.

Daß so viele an einer Einwanderung interessiert sind, sollte nicht erstaunen. Deutschland ist im Weltmaßstab eines der reichsten Länder. Sehr viele Menschen anderswo haben viel weniger als die Menschen hierzulande und könnten sich durch eine Einwanderung nach Deutschland in ihrer Lage massiv verbessern. Da es außerdem sehr viele Menschen (etwa 6 von 7) in ärmeren Ländern gibt, ist auch dafür gesorgt, daß selbst ein geringes Interesse als Rate (historisch hoch wäre etwa 1% der Bevölkerung pro Jahr, die auswandern) durchaus zu hohen Zahlen führen kann.

Antwort 2

Es würde sich nicht viel ändern.

Diejenigen, die das vorherige Argument entwickelt haben, wundern sich darüber, daß jemand die Schlußfolgerung bezweifeln kann, daß sehr viele kommen würden. „Wundern“ ist dabei meist sogar ein zu milder Ausdruck: sie würden an der Zurechnungsfähigkeit desjenigen zweifeln, der meint, daß sich durch eine Grenzöffnung nur wenig ändert und die Zahl der Einwandernden im bisherigen Rahmen bleibt, ja netto vielleicht sogar niedriger als heute ausfällt. Schließlich gibt es eine immense Nachfrage, die auch nachvollziehbar ist. Dennoch hat auch derjenige gute Gründe, der eine andere Antwort gibt, wie etwa der Migrationsforscher Hein de Haas.

Schärfere Grenzkontrollen und Befestigungsanlagen an der Grenze, das ist die Erfahrung, die immer wieder gemacht worden ist, führen nicht unbedingt zu einer geringeren Anzahl an Einwanderern, sondern sogar oft zu einer höheren. Das wirkt auf den ersten Blick unplausibel, ist es aber nicht, wenn man sich folgenden Mechanismus vergegenwärtigt:

Viele, die kommen, bleiben nur eine gewisse Zeit. Wenn sie leicht wiederkommen können, kehren sie in ihr Heimatland zurück, wenn sich die Beschäftigungslage ungünstig entwickelt. Sie kommen wieder, wenn es besser aussieht. Wenn nun die Kontrollen verschärft werden, wird es schwieriger wiederzukommen. Diejenigen, die schon im Land sind, sitzen damit fest. Sie stehen vor der Wahl, länger zu bleiben oder zurückzukehren. Entscheiden sie sich für das letztere, dann vergeben sie ihre Chancen im Land und finden es bei einer Verschärfung des Grenzregimes schwieriger wiederzukommen.

Auch für neue Einwanderer steigen die Kosten, ins Land zu kommen. Sie müssen deshalb einen längeren Aufenthalt ins Auge fassen, damit sich der Schritt lohnt. Durch die reduzierte Rückkehr und die längere Perspektive kann von daher der Bestand durchaus ansteigen, anstatt zu fallen, wie man es auf den ersten Blick erwarten könnte. Und wie gesagt, das ist keine theoretische Spekulation, sondern ein oft festgestellter Zusammenhang.

Ein Beispiel hierfür wäre etwa die Politik der EU rund um das Mittelmeer.

Vor der Einführung des Schengenraums kamen Menschen vor allem aus Nordafrika, aber auch anderen Ländern weiter südlich oder aus dem Mittleren Osten in Länder wie Italien und Spanien, um dort zu arbeiten. Die Kontrolle war lax und so war es recht einfach, mit Schifferbooten über das Mittelmeer zu fahren, aber bei Bedarf auch wieder zurückzukehren. Es entwickelte sich eine „zirkuläre Migration“, bei der die einen kamen, aber auch andere gleichzeitig wieder gingen.

Mit der Einführung des Schengenraums wurde vereinbart, daß anstatt zwischen den Schengenländern nunmehr an den Außengrenzen kontrolliert werden sollte. Daraufhin stellte sich der oben erläuterte Effekt ein. Eine ähnliche Entwicklung gab es auch für die Grenze zwischen den USA und Mexiko.

Wenn man diese Beobachtung rückwärts laufen läßt, dann sollte man erwarten, daß mit weniger Grenzbefestigung und Kontrolle sogar weniger Menschen im Land sein könnte. Ob es nun wirklich ein Absinken gäbe, ist für das zweite Argument gar nicht mal entscheidend. Es würde ja nach Aussage durchaus reichen, wenn es zu keiner großen Veränderung kommt. (Es gäbe allerdings einen großen Unterschied: diejenigen, die das Mittelmeer überqueren, würden das auf viel sicheren Wegen tun als heute, wie es auch vor der Einführung des Schengenraums der Fall war.)

Für manchen Vertreter der ersten Antwort ist das unfaßbar: Schließlich muß es doch Hunderte Millionen Menschen in Afrika geben, die an einer Einwanderung interessiert sind. Dafür sorgt allein das enorme Wohlstandsgefälle. Die Grenzen weniger oder gar nicht zu patrouillieren, würde dann doch eine wahre „Flut“ oder „Lawine“ auslösen! Millionen warten schon in Afrika darauf! Usw.

Wie kann man diesen Widerspruch auflösen?

Die Antwort ist relativ einfach. Beide Seiten haben ja plausible Argumente.  Vielleicht redet man einfach über unterschiedliche Situationen. Und das ist auch so.

Alles hängt nämlich daran, wie schon eingangs bemerkt wurde, was man unter „Grenzen öffnen“ genau versteht. Der Begriff ist zwar suggestiv, aber nicht unbedingt selbsterklärend.

Im ersten Fall bedeutet „Grenzen öffnen“, daß jemand legal in eine Land einreisen darf, sich dort eine Unterkunft suchen und anmieten oder auch kaufen darf und in dem Land auch seinen Unterhalt verdienen darf. Wie man an dieser Erklärung sieht, stellte die schiere Überquerung der Grenze nur einen Teil des ganzen Ablaufs dar. Und entsprechend kann es Behinderungen dieser Freizügigkeit an jedem der einzelnen Schritte geben, und nicht etwa nur an der Grenze selbst.

So wird inländischen Vermietern oder Hausverkäufern verboten, an jemanden zu vermieten, der nicht legal eingewandert ist. Ebenso wird einem inländischen Arbeitgeber verboten, so jemanden zu beschäftigen. Selbst wenn er sich irgendwo einmieten könnte, würde es ihm also an den Mitteln für seinen Unterhalt mangeln, was für die meisten bedeutet, daß sie sich nicht im Land halten können. Außerdem kann man natürlich auch jemanden, der keinen legalen Status hat, aufgreifen und abschieben. Hinzu kämen noch Behinderungen durch Verbote für den Transport, wenn etwa eine Fluggesellschaft jemanden nicht befördern darf, oder bei fast jeder bürokratischen Hürde von der Kontoeröffnung über die Einrichtung eines Telefons bis zum Abschluß einer Versicherung, usw.

Es ist leicht vorstellbar, daß die Kombination aus der Möglichkeit, abgeschoben zu werden, keine legale Unterkunft und keine legale Arbeit haben zu können, usw., die Möglichkeiten von Einwanderern massiv einschränkt, ohne daß an der Grenze überhaupt kontrolliert würde, so massiv, daß nur relativ wenige sich im Land halten könnten.

Erreichen die illegalen Einwanderer im Land einen nennenswerten Anteil an der Gesamtbevölkerung, dann wird es selbst für die unfähigste Polizei leicht, sie aufzuspüren und abzuschieben. Wenn jeder 10. oder gar jeder 2. ein illegaler Einwanderer wäre, bräuchte man dazu bloß ein paar Leute auf der Straße oder sonstwo zu kontrollieren, um fündig zu werden.

Und wenn jemand nur illegale Unterkünfte nutzen kann, dann ist er auf einen viel kleineren Markt verwiesen als andere, die einen legalen Status haben. Jeder solche Vermieter müßte ja mit Sanktionen rechnen. Er würde sich also auf jeden Fall für das Risiko auch eine Prämie ausbitten. Ganz analog ist es mit den Arbeitgebern, die trotz Verbotes illegale Einwanderer beschäftigen. Auch sie würden eine Prämie verlangen. Damit schwinden aber die Möglichkeiten, für illegale Einwanderer, sich im Land zu halten. Es gibt nur eine begrenzte Aufnahmemöglichkeit für illegale Einwanderer bei Durchsetzung aller Behinderungen, selbst ohne Behindung an der Grenze.

Es ist von daher einsichtig, daß bei einem Vorgehen gegen illegale Einwanderer, wie es in reichen Ländern üblich ist, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung nicht sehr hoch werden kann, ganz unabhängig davon, wie das Grenzregime ausgestaltet ist. Für Deutschland wurde die Zahl vor gut 10 Jahren auf etwa 1,3 Millionen geschätzt (Cyrus, Seite 8), was weniger als 2% der Gesamtbevölkerung entspräche. Selbst die vermuteten 11 Millionen Illegalen in den USA machen nur etwa 3% der Einwohnerschaft aus. Das ist um Größenordnungen weniger, als die Umfragen von Gallup anzeigen würden.

Vielleicht sind schon einfach so viele da, wie sich überhaupt halten können? Ein schärferes Regime an der Grenze würde vielleicht auf kurze Sicht einige festsetzen und so zu höheren Zahlen führen. Ob sich auf Dauer wesentlich etwas verschiebt, ist solange unklar, wie die Maßnahmen im Inland gegen die illegalen Einwanderer weiter durchgeführt werden und die wirktliche Behinderung darstellen. Über das Vorzeichen kann man sich streiten, aber es ist nicht unplausibel, daß die Größenordnung für Veränderungen bei einem restriktiveren oder weniger restriktiven Grenzregime eher gering ausfallen sollte, weit unter dem Niveau der ersten Antwort.

Der wichtige Punkt dabei ist allerdings: Das gilt nur, solange diejenigen, die kommen, keinen legalen Status haben und mit all den Behinderungen durch Abschiebungen, illegale Unterkünfte, illegale Beschäftigung, usw. zurechtkommen müssen. Oder anders gesagt: Solange jemand nur mit einem illegalen Status kommen kann, werden nicht so viele kommen. Worüber derjenige spricht, der die zweite Antwort gibt, ist deshalb eine Grenzöffnung in einem ganz engen, wenn auch plastischen Sinne: Abbau von Grenzanlagen, geringere oder keine Kontrolle an der Grenze, aber mit weiterhin allen anderen Behinderungen im Inland für diejenigen, die keinen legalen Status haben.

Und anders sähe es natürlich aus, wenn man auch auf die anderen Behindungen verzichtete, womit de facto oder sogar de jure eine legale Einwanderung möglich wäre. In diesem Fall ziehen die Argumente zur ersten Antwort, und ja, es wäre damit zu rechnen, daß dann sehr viele kommen .

Illustriert wird das auch durch die Entwicklung in den letzten Jahren. Die Zahlen für diejenigen, die niemals über einen illegalen Status hinauskommen konnten, sind nicht wesentlich gewachsen. Aber es gab Gruppen, die durchaus die Möglichkeit hatten, einen legalen Status zu erlangen, nämlich vor allem als Flüchtlinge vor Kriegen und Bürgerkriegen.

Fazit

Die Kontrolle an der Grenze stellt höchstens einen Teil der Behinderungen dar, denen sich Einwanderer gegenübersehen. Vermutlich sind die Behinderungen durch einen illegalen Status (Abschiebungen, Unterkünfte, Arbeit, usw.) wesentlich einschneidender.

Wenn das so ist, dann ist von einer Veränderung des Grenzregimes, egal in welcher Richtung, solange nicht viel zu erwarten, wie die anderen Behinderungen das Übergewicht haben.

Der Anteil an Menschen, die sich bei der in reichen Ländern üblichen Kontrolle und Durchsetzung illegal im Land halten kann, ist notwendig ein kleiner Anteil der gesamten Bevölkerung. Damit ist der Bestand an Illegalen recht begrenzt bei wenigen Prozent der Bevölkerung, vermutlich sogar dann, wenn es keine Kontrolle an der Grenze gäbe.

Wenn zirkuläre Wanderung eine wesentliche Rolle spielt, und das ist plausibel, wenn Illegale sich nur schwer im Land halten können und lange von ihrem Umfeld getrennt sein müssen, dann kann ein schärferes Grenzregime unerwarteterweise sogar zu mehr illegalen Einwanderern im Land führen. Umgekehrt kann eine Lockung zu einem geringeren Bestand führen.

Anders verhält es sich, wenn Menschen die Möglichkeit auf legale Einwanderung haben, bei der sie nicht in vielen anderen Hinsichten behindert werden. In dem Fall kann es durchaus sehr viele Einwanderer geben, ohne weiteres auf oder sogar über dem Niveau der bisherigen Bevölkerung (wenigstens auf mittlere und längere Sicht).

Hinweis

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Werden die Wahlen in den USA doch noch spannend?

Wir waren wohl fast die einzigen, die das letzte Mal Gary Johnson gecovert haben, als er 2012 als Präsidentschaftsbewerber der Libertarian Party ins Rennen ging. Letztlich bekam er nur etwa 1% der Stimmen und spielte keine Rolle bei der Entscheidung. Von daher gestehen wir ein, daß wir massivem Wunschdenken in unseren Artikeln verfallen waren.

Auf die Gefahr es wieder zu tun: Diesmal könnte Gary Johnson durchaus eine Chance haben, zumindestens den Ausschlag zu geben. Denkbar, aber deshalb natürlich nicht unbedingt sehr wahrscheinlich, wäre sogar, daß er selbst in die engere Wahl kommt. Die ersten greifbaren Zahlen sind jedenfalls dazu angetan, Gary Johnson nicht, wie Donald Trump es bereits ihm anzuheften versuchte, als einen „Fringe“-Kandidaten abzutun. Allein daß sich Trump so früh bereits Mühe gibt, den Konkurrenten unmittelbar zu attackieren, spricht Bände, wie wenig entspannt er in der Richtung sein kann. Die Reaktion von Johnson auf Trump war souverän und durchaus medienwirksam (siehe auch das ganze Interview bei CNN, in dem sich der sonst etwas hibbelige Johnson für seine Verhältnisse recht gut schlägt).

Nach Umfragen kann Gary Johnson, dessen Bekanntheit immer noch äußerst gering ist, durchaus punkten. Vermutlich erhält er dabei auch viel Zustimmung von denen, die ihn gar nicht kennen und eigentlich nur „jemand anders“ haben möchten. Mit diesem Vorbehalt sind die Ergebnisse allerdings immer noch weit beeindruckender als vor vier Jahren: mehrere Umfragen zeigen eine Zustimmung um die 10%. Das ist zwar noch nicht genug, um später im Jahr bei den Debatten dazugenommen zu werden — dazu bräuchte Johnson mehr als 15% — aber es ist auch nicht so weit davon entfernt, daß es nicht erreichbar scheint. Das war 2012 doch ganz anders.

Bis vor ein paar Tagen hing es noch in der Luft, ob Gary Johnson überhaupt von der Libertarian Party nominiert werden würde. Noch unsicherer war das für seine Wahl eines Vizepräsidentenkandidaten William Weld, was besonders im letzteren Fall durchaus seine Gründe hatte. Letztlich hat es dann doch geklappt, weil die Partei sich im Klaren war, daß man mit einem Duo von zwei in ihren Staaten populären Ex-Gouverneuren eine echte Chance hat, in der Debatte mitzumischen.

Wir steigen deshalb nun auch mit der Berichterstattung ein, die ab jetzt interessant zu werden verspricht oder von der wir das wenigstens erhoffen. Weitere Berichte folgen.

Stay tuned …

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Da’esch (a.k.a. Islamischer Staat) auf dem absteigenden Ast

Um es vorwegzunehmen: es sieht so aus, als wenn Da’esch (a.k.a. Islamischer Staat) nur noch ein paar Monate vor sich hätte als ernstzunehmende militärische Organisation und damit auch als „Staat“ mit faktischer Souveränität über ein größeres Gebiet. Als Markenzeichen für gescheiterte Rapper, die mit einem Küchenmesser loslaufen oder rumballern, wird man vielleicht etwas langlebiger sein.

Wie kommen wir zu dieser Einschätzung? Uns führt dazu folgende Auswertung:

Wir haben uns die Daten zu allen bisherigen „Schlachten“ von Da’esch aus Wikipedia heruntergeladen. „Schlachten“ deshalb in Anführungsstrichen, weil es sich zumeist um eine sehr blumige Ausdrucksweise handelt. Unter normalen Umständen würde das wohl eher als Gefecht oder sogar nur als Scharmützel bezeichnet werden. In einigen Fällen könnte man es auch einen Schußwechsel nennen.

Wir haben nun alle Schlachten herausgefiltert, für die ein Ergebnis bekannt ist. Insgesamt sind as 151 über die letzten zwei Jahre. Und dann haben wir eine Schätzung durchgeführt, wie hoch die Rate war, daß Da’esch eine Schlacht gewinnt. Dazu haben wir Mittelwerte über 11 Werte genommen (zentriert um eine Schlacht, die ersten zehn sind nicht dargestellt, deshalb geht die untere Skala nur bis 141). Das ist die blaue Linie. Wir haben dann wiederum Mittelwerte über 11 Werte für die Mittelwerte genommen (wieder zentriert, also zusammengenommen eine Glättung mit einem Hutkern). Das führt zur roten Linie. Zusätzlich haben wir daran eine Gerade angepaßt, die schwarze Linie (oben rechts die Gleichung, die Gerade fällt mit etwa einem Drittel Prozent pro Schlacht ab):

Abstieg

Das Ergebnis:

Da’esch hatte einen für sie recht guten Lauf am Anfang. Kurzzeitig konnte man fast alle Schlachten gewinnen (im Mittel über 11 genommen). Auf einer etwas längeren Skala (die rote Linie) schaffte man aber selbst da nur eine Quote von etwa zwei Dritteln. Von der Kampfstärke lag man vermutlich sogar noch darunter, der Rest war etwas Anfängerglück.

Von da an ging es immer weiter bergab. Nur ganz kurz konnte man vor etwa einem Jahr (ungefähr April 2015, die Schlachten sind nach ihrem Beginn sortiert) noch einmal eine Quote von 50/50 erreichen. Seitdem ist die Ausbeute stark gesunken, sodaß man nur noch etwa jede vierte, aktuell vielleicht noch knapp jede dritte Schlacht, die man beginnt, auch gewinnt. Man bekommt es also recht ordentlich auf die Mütze.

Der Abwärtstrend ist ziemlich deutlich. Sieht man den Anstieg am Ende eher als letztes Aufgebot à la „totaler Krieg“ und die schwarze Linie als den tatsächlichen Zustand an, dann gewinnt Da’esch eigentlich mittlerweile fast gar nicht mehr. Die schwarze Linie würde nach etwa dreißig weiteren Schlachten die Null erreichen. Das wäre in etwa einem halben Jahr.

Interessant ist auch der Zusammenhang mit den Anschlägen von Da’esch in Europa. Bis 2015 bot man eigentlich nur völlige Dilettanten auf, die mit Messern oder Autos ohne jegliche Organisation und wohl auch ohne zentrale Steuerung loslegten. Im Januar 2015 ballerte dann Amedy Coulibaly parallel zum Attentat auf Charlie Hebdo (von Al Qa’eda durchgeführt) herum. Auch das wirkte reichlich unorganisiert.

Der erste Anschlag mit einer gewissen Planung waren die Attenate in Paris im November 2015. Der Organisationsgrad war immer noch eher gering: Man hatte sich Waffen besorgt und war in der Lage, Sprengstoff herzustellen und mit Zündern zu Westen zu verarbeiten. Der Zeitpunkt entspricht dem zweiten Mal, wo die blauen Linie auf die Null schlägt. Mit anderen Worten: Da’esch verlor um die Zeit regelmäßig jede Schlacht. Natürlich war man nervös, dafür irgendwoanders zu punkten.

Die Anschläge in Brüssel sind vermutlich eine Panikreaktion, weil man nach den kurz vorher erfolgten Verhaftungen kaum noch Zeit zu haben meinte. Wie es ausschaut, hatte die kleine Gruppe nur einen, der Sprengwesten herstellen konnte. Und der hat sich wohl selbst bei der Aktion in die Luft gesprengt. Mehr Information braucht man eigentlich nicht, um die Selbsteinschätzung zu verstehen, daß man am Ende ist.

Natürlich wird man, wenn die Schrottpresse im Irak und in Syrien Da’esch in ein handliches Format preßt, noch den ein oder anderen halbgaren Plan in unseren Breiten ausführen. Auch Dilettanten können dabei mit den entsprechenden Waffen einiges anrichten. Vermutlich wird man aber bei dem desolaten Zustand und mit der Strafverfolgung im Nacken nur noch wenig hinbekommen. Und tschüß!

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Ja, das neuste meiner Lieder

von Wippchen (a.k.a. Julius Stettenheim), 1894

Wippchen

Ja, das neuste meiner Lieder,
Heute noch muß es entstehn.
O, wie macht der Lenz doch wieder
Uns’re Residenz so schön!

Mögen Andre sagen, daß der
Lenz am schönsten sei im Frei’n,
Auch auf unserm Asphaltpflaster
Blüht’s und sprießt’s im Sonnenschein.

Lobt Ihr Andern Eure Felder,
Lobe Jeder, was er liebt,
Seht doch, links vom Feuermelder,
Seht doch, was es dorten giebt!

Die Trinkhalle [1], die bis heute,
Da der Frühling zu uns drang,
Nichts als Blätter für die Leute
Hatte, wohl sechs Monat lang,

Die Trinkhalle ob’s nun kälter
Wieder wird, ob heiß, Hurrah!
Heute schenkt sie wieder Selter [2]
Ja, der Frühling, er ist da!

Fußnoten

[1] Ausschank, in dem man ein Getränk im Stehen zu sich nehmen kann.

[2] Mineralwasser aus Selters.

Das Gedicht ist dem Band „Wippchen’s Gedichte – Neue Folge“ von 1894 entnommen, das bei Libera Media neu erschienen ist:

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Libertarismus und Wohlfahrtsstaat

Nur als kurzer Hinweis auf eine interessante Diskussion, die sich entwickelt:

Bryan Caplan ist darüber irritiert, daß sich verschiedene Libertarier wohlwollend oder wenigstens nicht so ablehnend zum Wohlfahrtsstaat stellen, wie er es erwarten würde. Er stellt dazu seine Argumente gegen den Wohlfahrtsstaat auf drei Stärkestufen zusammen:

Libertarianism Against the Welfare State: A Refresher

Ihm antwortet Matt Zwolinski bei den Bleeding Heart Libertarians, der sich auch angesprochen fühlen sollte:

Libertarianism and the Welfare State

Interessant ist dabei auch der zitierte Artikel: Libertarianism and the Welfare State

Arnold Kling fügt seinerseits einige Bemerkungen hinzu:

Libertarians and the Welfare State

Vermutlich wird Bryan Caplan bald antworten …

Veröffentlicht unter Aktuelles, Liberalismus, Theorie, Wohltätigkeit | Hinterlasse einen Kommentar

Lachen gefährdet Ihre Gesundheit

Es gibt die Werke unseres Haussatirikers Henning Helmhusen jetzt auch als Buch bei Libera Media (erhältlich über Amazon):

Helmhusen Lachen klein 4
In dem Band sind Satiren und Aphorismen aus zwei Jahrtausenden versammelt, von denen viele nur noch schwer zu finden sind. Hier ist das Inhaltsverzeichnis:

Lachen gefährdet Ihre Gesundheit
Warum es so schwer sein kann, über Gefühle zu reden
Ein anderes Wetter ist möglich
Das Schöne an Weihnachten
„Mir passieren immer die witzigsten Dinge!“
Dosenpfand
Satan sei mit Euch
Er starb für Deutschland
Das Problem mit deutschem Hiphop
Kritische Solidarität mit Amiland – eine Fernsehdiskussion
Jammern auf höchstem Niveau
Rentenformel
Klaus Lage wird hundert
Nahles besteht auf Mindestlohn auch für die Bundesliga
Konsensgespräche gescheitert
Islamisierung made in Sachsen
Wollt Ihr das totale Recycling?
Also sprach Roman Herzog
Natürlich darf man auf AfD-Politiker schießen
Steueroasen schließen
Endlich kümmert sich jemand drum
Merkel und Hollande einigen sich auf Rettungspaket für die DDR
Über den Mut, ein Vorbild zu sein
Laßt tausend Ämter blühen
Paradox
Bricht die DM-Zone auseinander?
Schwarze Weihnachten
Neue Quiz-Show mit Wolfgang Schäuble
Antikapitalistischer Stammtisch
Das Geheimnis der schwäbischen Grünen
Das ist pervers
Futtern wie bei Führern
Der Umwelt zuliebe
Niedecken schreibt Rockoper über Kohl
Oktoberrevolution 1917
Rettet den Staat
Schlußstrichdiskussion
Grundversorgung ohne Grenzen
Mich täuscht man nicht
Mein langer Kampf zu mir selbst
Grüne Prinzipien
Öko-Auto fährt nur mit Wasser
Lücke im Grundgesetz
Islamistische Machtübernahme: so einfach gehts!
Der gläserne Bürger hat einen Splitter im Auge
Freibier für alle
Steuergerechtigkeit
Verbietet endlich Facebook!
Die Macht des Geldes brechen
Der Staat liebt Dich
Hitparade der deutschen Dschihadistennamen
Hit the Road, Che!
Leinwand bleibt unser
Die Sünden des Kapitalismus
Katholische Kirche gibt Geld für Prachtbauten aus!
Kapitalismus am Ende
Die größten Zapfenstreiche aller Zeiten
Ratschlag
Mögen die meisten gewinnen!
Geschmack
Aktion Sorgenkanzler
It‘s a Man‘s World
Die allerneuesten Beitrittsländer
Business-Idee
Die Hölle des brutalen Marktes
Maastricht-Kriterium
Das Handwerk des Satirikers
Der Mauerschwindel
Die Yacht ist voll
Die Phantasie an der Macht
Das gerechte Orchester
Pay-TV
Gerechtigkeitssinn
Die Invasion der Bierflüchtlinge
In tiefer Sorge um die Schöpfung
Modetanz
Was morgen geschah
Das kann nur der Staat
Untergang für „Der Untergang“
Nichts ist möglich, Wartburg!
Die große Politik
Du ißt, was Du bist

Warnhinweis

Lachen kann zu Verspannungen des Zwerchfells und zu Faltenbildung führen. Langzeitlacher haben nach wissenschaftlichen Untersuchungen ein erhöhtes Risiko, sich tot zu lachen. Denken Sie auch an Ihre Mitmenschen, die Sie durch Lachen anstecken können. Besonders Kinder und Schwangere sind durch Passivlachen gefährdet.
Veröffentlicht unter Henning Helmhusen, In eigener Sache, Literatur, Satire | Hinterlasse einen Kommentar

Natürlich darf man auf AfD-Politiker schießen

von Henning Helmhusen

Ein Aufschrei ging unlängst durch das Land, als Frauke Petry, Parteivorsitzende der Alternative für Deutschland, eine Binsenwahrheit aussprach: die deutsche Polizei, ja jeder Bürger hat das Recht, sich in einer Notwehrsituation zu verteidigen oder jemandem in Nothilfe beizustehen. Wenn es angemessen ist, darf er das sogar mit einer Schußwaffe tun, und selbstverständlich auch, wenn der Angreifer ein AfD-Politiker ist. Doch solche differenzierten Argumente verhallen in der aktuell sehr hysterischen Debatte leider ungehört. Als Frauke Petry dann auf Nachfrage noch ergänzte, daß Notwehr auch gegen weibliche und minderjährige AfD-Politiker zulässig sein kann, war der Skandal perfekt.

Die Alternative für Deutschland ruderte schnell zurück. So präzisierte Beatrix von Storch, daß zwar der Schußwaffengebrauch gegen AfD-Politikerinnen rechtens sei, aber nicht gegen Kinder. Doch man muß hier schon fragen: Ist das wirklich so? Stellen wir uns einmal ein Szenario vor, wo ein r-strategischer AfD-Politiker eines seiner zahlreichen Kinder, das er vermutlich nur zum Bezug von Kindergeld hat, mit einer Sprengweste bekleidet, deren Zünder er über eine Fernbedienung auslösen kann. Er schickt nun das Kind in ein Asylbewerberheim, und die einzige Möglichkeit für die Polizei ist es, das Kind durch einen finalen Rettungsschuß auszuschalten. Dürfte die Polizei das? Ich denke die Antwort muß „ja“ lauten, so schwierig die moralischen Abwägungen dabei auch sein mögen. Etwa: Wieviele Hundert Asylbewerber mit einem durchschnittlichen IQ von 70 darf man für ein deutsches Kind mit einem IQ von 100 opfern? Und was ist, wenn das Kind zusätzlich blond ist und die Asylbewerber im Schnitt nur einen IQ von 50 haben?

Justizminister Heiko Maas wies erwartungsgemäß sofort darauf hin, daß durch die Zusammennennung von Verbrechen und AfD-Politikern suggeriert werde, daß alle AfD-Politiker Verbrecher seien. Das sei in der Regel nicht so, und man müsse aufpassen, daß hier nicht mit leichtfertigen Parolen wie „es ist schon wieder fünf vor 1933“ eine Pogromstimmung geschürt werde. So nachvollziehbar die Sorge ist, so wackelig ist das Argument. Niemand behauptet, daß AfD-Politiker alle Verbrecher sind. Aber es darf wohl erlaubt sein, darauf hinzuweisen, daß es einen Zusammenhang geben kann. Die Möglichkeit, daß ein AfD-Politiker kriminell wird, besteht immer. Wer ein solches Restrisiko rundweg bestreitet, zumal wenn er als Minister für das Recht zuständig ist, der setzt die Bevölkerung einer Gefahr aus, deren Ausmaß kaum zu ermessen ist. Was wenn sich unter den Millionen Anhängern der AfD doch eine kleine Zahl von schweren Gewalttätern befinden würde? Wollte Herr Maas dann die Verantwortung für deren Verbrechen übernehmen? Wohl kaum.

Um die Diskussion zu entspannen, möchte ich folgendes vorschlagen: In der Berichterstattung über Verbrechen wird leider die AfD-Parteizugehörigkeit des Täters von den Medien viel zu oft unterdrückt. Dadurch ruft man den Verdacht hervor, als wenn es eine hohe AfD-Kriminalität zu verheimlichen gäbe. Daß es irgendeinen Zusammenhang zwischen AfD und Verbrechen gibt, ist ja unbestritten. Nehmen wir aber trotzdem einmal an, daß die Anhänger der Alternative für Deutschland genauso brav wie alle anderen wären. Bezogen auf ihren Anteil von 12% der Bevölkerung nach gegenwärtigen Umfragen sollten damit etwa 80 Tötungsdelikte pro Jahr auf sie entfallen. Wie wäre es, wenn bei jedem Bericht über ein grausames Verbrechen einfach die politische Richtung des Verdächtigen mitvermerkt wird? Es hieße dann „der AfD-Wähler folterte das Kind zu Tode“ oder „das AfD-Mitglied vergewaltigte das Opfer und tötete es anschließend, um die Tat zu vertuschen“. Wenn eine solche Nachricht ein bis zwei Mal pro Woche durch die Presse ginge, dann könnte jeder unvoreingenommene Leser sich sofort ein Bild machen und schließen, daß die Anhänger der Alternative für Deutschland nur ganz durchschnittlich gewalttätig sind. Verschweigt man hingegen die AfD-Parteizugehörigkeit, so bauen sich die Ängste in der Bevölkerung fast beliebig auf. Eine Kennzeichnungspflicht sollte somit auch im Sinne der Alternative für Deutschland liegen.

Ganz unabhängig davon muß man aber auch die Sorgen von jedem ernst nehmen, der sich in einer unbestimmten Notwehrsituation sieht, etwa weil er meint, daß der deutsche Staat wegen einiger Hunderttausend Menschen vor dem Zusammenbruch steht mit Massakern und Bürgerkrieg in der nahen Zukunft. Bei einer solchen Gefahrenlage ist natürlich rasches Handeln angesagt, das nicht durch Überlegungen gehemmt werden sollte, ob die Behauptung überhaupt stimmt. Und wenn sich auch noch der uneinsichtige Staat weigert, tätig zu werden, dann ist es nur allzu verständlich, daß das Volk seine Notwehr selbst in die Hand nehmen will. Doch wie oft haben wir es schon erlebt, daß es ihm dabei einfach an der nötigen Kaltblütigkeit und Brutalität mangelt, weil es Skrupel hat oder nicht sicher ist, ab wann man zurückschießen darf! Hier wirkt ein klärendes Wort oft Wunder. Und deshalb kann man Frauke Petry und Beatrix von Storch nur danken, daß sie die prinzipielle Rechtfertigung mit juristischem Sachverstand geliefert haben: Ja, man darf auf AfD-Politiker schießen. Der Rest steht im Kleingedruckten und wurde im Zweifelsfall immer aus dem Zusammenhang gerissen.

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Islamisierung made in Sachsen

von Henning Helmhusen

Bei der Islamisierung des Abendlandes kann man gar nicht paranoid genug sein. So deckte letztes Jahr etwa PI-News auf, wie der Schokoladenhersteller Lindt „den Advent islamisiert“. Auf den ersten Blick könnte man vielleicht meinen, daß ein orientalisch anmutender Adventskalender moslemische Kinder mit Schokolade anfixen und so der Christianisierung des Morgenlandes zuführen soll. Doch dazu müßte man ein selten naiver Gutmensch sein, der immer noch nicht verstanden hat, was gespielt wird. Die Islamisierung ist nämlich überall, besonders da, wo man nichts von ihr mitbekommt.

Umso unverständlicher erscheint es mir, daß noch niemand den wohl mit Abstand größten Coup zur Islamisierung Deutschlands auch nur bemerkt hat. Dabei liegt das Epizentrum sogar mitten in Sachsen, direkt unter der Nase von Pegida. Und wieder geht es darum, schon Kinder und Jugendliche in die islamische Kultur zu locken. Nur bedient man sich diesmal der Literatur als Kampfwaffe im Glaubenskrieg, dem Gottes-Dschihad, wie wir Experten ihn nennen.

Der Drahtzieher der Kampagne kommt hierbei aus Radebeul in Sachsen und hat einen bewegten Lebenslauf. Vieles darin würde ihn eigentlich für eine führende Position bei Pegida qualifizieren: als gescheiterte Existenz sammelte er ein langes Vorstrafenregister an, er saß auch schon einmal im Gefängnis, bis er schließlich sein Talent entdeckte, frei erfundene Geschichten als Tatsachenberichte auszugeben, in deren Mittelpunkt er sich selbst stellte. Doch statt sich dem Kampf gegen die Islamisierung anzuschließen, diente dieser Mann sich dunklen Mächten an.

Ich bin kein Verschwörungtheoretiker und habe auch keine Beweise: aber es ist doch ohne jeden Zweifel so, daß die Hintermänner des Drahtziehers von seinem Vorschlag sehr angetan waren. Was er ihnen nämlich in Aussicht stellte, war ein von langer Hand generalstabsmäßig geplanter Propagandafeldzug, mit dem die deutsche Jugend auf islamischen Kurs gebracht werden sollte. Dazu werde der Mann aus Radebeul eine ganze Serie von Romanen verfassen, die in einem orientalischen Ambiente spielen und in massenhafter Auflage ihre Botschaft immer und immer wieder in die jungen Gehirne träufeln. Binnen eines Jahrhunderts sei damit die Islamisierung Deutschlands unabwendbar. — — —

Da man ja in Deutschland verfolgt wird, wenn man die Wahrheit ausspricht, möchte ich lieber an dieser Stelle schließen und nicht mehr zu diesem ungeheuerlichen Fall sagen. Selbst Vera Lengsfeld scheint sich nicht zu trauen. Das einzige, was mir noch bleibt: Ganz einsam werde ich am nächsten Montag bei Pegida mein selbstgemaltes Schild hochhalten, auf dem steht:

„Frau Merkel, das Volk hat die Schnautse voll von Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah!“

Diese und viele weitere Satiren finden sich auch im neuen Buch von Henning Helmhusen bei Libera Media (erhältlich über Amazon): „Lachen gefährdet Ihre Gesundheit“

Helmhusen Lachen klein 4

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Sogar Dilettanten können unter unbewaffneten Menschen ein Blutbad anrichten

Einige Überlegungen zu den Anschlägen in Paris, die vielleicht noch nicht überall standen:

  • Daß die gescheiterten Rapper wieder mal am Werk waren, ist offensichtlich. In Frage kämen dabei Al Qa’eda oder Da’esch (aka Islamischer Staat). Wir würden denken, daß die allgemeine Einschätzung stimmt, daß es sich um Anhänger von Da’esch handelt. Al Qa’eda verübt in der Regel gut vorbereitete und durchgeplante Attentate auf Ziele mit einem hohen Symbolwert. Da’esch bringt es hingegen nur zu dilettantischen Ballereien, bei denen es um die Tötung von möglichst vielen Menschen geht ohne irgendein spezifisches Ziel.
  • Für Da’esch spricht auch das Bekennerschreiben. Allerdings enthält es zwei Fehler: es ist die Rede von acht Tätern, während es nur sieben waren. Auch gab es keine Anschläge im 18. Arrondissement, wie behauptet wird. Man kann also davon ausgehen, daß der Bekenner höchstens in einem sehr losen Zusammenhang mit den Tätern stand, wenn überhaupt. Insofern läßt sich nicht allzu viel daraus schließen.
  • Wir wären auch recht sicher, daß es keine flüchtigen Täter gibt. Offenbar waren alle Beteiligten mit Sprengladungen ausgestattet, die zum Abschluß gezündet werden sollten. Die Tatserie läßt sich dabei am besten wohl so interpretieren: es gab zwei (nicht wie oft behauptet drei) Teams. Das eine Team bestand aus den drei Attentätern am Stadion, das andere aus vier Attentätern, die sich in einem schwarzen Wagen (es wird sowohl von einem Seat Leon als auch einem VW Polo berichtet, was aber derselbe Wagen sein könnte) von Tatort zu Tatort bewegten. Einer von ihnen war der Fahrer, drei waren mit Kalaschnikoffs bewaffnet und verübten die Anschläge auf die Cafés und Restaurants. Sie kamen zuletzt am Theater Bataclan an. Die drei Bewaffneten drangen dort ein, während der Fahrer, der wohl keine Waffe hatte, sich in ein nahegelegenes Restaurant begab, wo er seinen Sprenggürtel zündete.
  • Daß es noch viele weitere Täter gab, halten wir für unplausibel. Irgendwelche Verbindungen werden sich natürlich finden lassen. Aber offensichtlich sollte hier maximaler Schaden angerichtet werden. Es machte für die Täter von daher keinen Sinn, weitere Kräfte nicht zum Einsatz zu bringen, über die man hätte verfügen können. Für eine kleine Zelle sprechen auch grundsätzliche Überlegungen zur Größe von Zellen in derartigen Organisationen. Eine kleine funktionsfähige Gruppe hat danach eine Zielgröße von acht Mitgliedern (mindestens fünf, maximal neun). Siehe hierzu: The Optimal Size of a Terrorist Network. Das wahllose Rumballern deutet auch auf eine Gruppe mit mangelnder Führung hin, vgl. dazu etwa: Max Abrahms: Explaining Terrorism: Leadership Deficits and Militant Group Tactics.
  • Die Argumente in den zitierten Artikeln zeigen auch, daß Da’esch vermutlich, anders als es aktuell oft dargestellt wird, einen sehr niedrigen Organisationsgrad hat. Die gesamte Planung der Anschläge scheint sich auf die Austeilung von Sprenggürteln und die Zeit zum Losschlagen beschränkt zu haben. Das Team, das mit dem Wagen von Tatort zu Tatort fuhr, mußte zudem noch eine Route auskundschaften, auf der leicht zugängliche Ziele schnell angelaufen werden konnten, bevor man zum eigentlichen Ziel, dem Theater Bataclan, kam. Das sollte sich sogar mit Google Streetview schaffen lassen. Auch wenn es Spekulationen über weitreichende Motive gibt, scheint das Ziel Bataclan eher aus dem Veranstaltungskalender vom Tage herausgesucht zu sein.
  • Der Hauptakt sollte wohl im Stadion stattfinden, was mit der Anwesenheit von Präsident Hollande immerhin einen gewissen Symbolwert gehabt hätte. Die Vorbereitung war hier allerdings sehr mangelhaft. Als der Sprengstoffgurt des ersten Attentäters von einem Sicherheitsmann beim Versuch entdeckt wurde, in das Stadion zu gelangen, zündete der Attentäter seine Ladung und tötete dabei einen (nach anderen Angaben drei) Fußballfans. Die anderen beiden Attentäter waren so verdattert, daß sie sich etwas später nacheinander nur selbst in die Luft sprengten. Einen Plan B hatte man sich nicht überlegt. Daß die beiden Teams ohne Verbindung arbeiteten, könnte auch bedeuten, daß sie wenig mehr als die Uhrzeit abgestimmt hatten. Das würde darauf hinweisen, daß man sich sogar nur auf einer noch kleineren Ebene als der der gesamten sieben Beteiligten traute, Pläne auszuarbeiten.
  • Vielfach wird behauptet, es sei doch ganz einfach, in Frankreich an schwere Waffen heranzukommen. Tatsächlich waren die Täter aber dafür verblüffend schlecht ausgestattet. Offenbar verfügten die drei Täter am Stadion über keine Schußwaffen, sie sprengten sich nur in die Luft. Hätten sie einen Plan B gehabt, dann hätte dieser darin bestehen können, bereitliegende Waffen zu einem gewaltsamen Eindringen in das Stadion zu nutzen. Das war aber nicht der Fall. Die Täter, die die Tatserie in den Cafés bis zum Theater Bataclan verübten, hatten nur drei Kalaschnikoffs und nach einigen Berichten eine unbekannte Anzahl von Handgranaten (wir würden das bezweifeln, weil diese auch bei den Anschlägen auf die Cafés zum Einsatz gekommen wären, was nicht der Fall war). Der Fahrer hatte wohl keine Waffe, weshalb er sich an anderer Stelle in die Luft sprengen mußte, weil er im Theater zu nichts nütze war. Ein Polizist konnte im Theater schon vor der letztlichen Erstürmung einen der Täter erschießen. Dessen Sprenggürtel versagte und zündete erst, nachdem er schon getroffen war. Während der Polizist hier ohne weiteres zum Zuge kam, ballerten die verbleibenden beiden Täter zwar in seine Richtung, aber konnte ihn nicht ausschalten.
  • Das Verblüffendste an dem Geschehen im Theater Bataclan ist eigentlich, wie wenige Menschen die drei und dann die beiden überlebenden Attentäter ermorden konnten. Der Saal soll mit 1500 Menschen ausverkauft gewesen sein. Er befand sich von 20 vor 10 Uhr bis etwa 12 Uhr in der Gewalt der Angreifer, die über Maschinengewehre verfügten. Trotzdem gelang es ihnen in dieser sehr langen Zeit nur, etwa 90 Menschen zu töten. Ob es wirklich auch den Einsatz von Handgranaten gab, kann man bei der geringen Zahl bezweifeln. Die wahrscheinlichste Erklärung ist wohl, daß die Attentäter zu wenig Munition dabei hatten, was noch einmal die dilettantische Planung unterstreicht. Daß man mit schweren Waffen unter Hunderten unbewaffneten Menschen ein schlimmes Blutbad anrichten kann, zeigt keine große Professionalität an. Anders Breivik brachte in einer viel unübersichtlicheren Lage in 75 Minuten alleine 69 Menschen um.
  • Der Dilettantismus geht auch über die wenigen Waffen und die knappe Munition hinaus. Die Sprenggürtel waren gerade noch so wirksam, daß sie die Täter zerfetzten. Der erste Attentäter am Stadion konnte dabei einen (oder nach anderen Angaben drei) Menschen töteten. Der Fahrer des Wagens, der sich in einem Café in die Luft sprengte, verletzte die Bedienung, die bei ihm stand, zwar schwer, schaffte es aber nicht, sie zu töten. Ein Hauptelement der Anschläge verpuffte damit recht buchstäblich. Der Grund könnte darin liegen, daß man nur über eine sehr begrenzte Menge an Sprengstoff verfügte, der auf die sieben Täter verteilt werden mußte. Man war wohl auch nicht in der Lage, diesen Sprengstoff herzustellen; denn es hätte ja nichts dagegen gesprochen, sich kiloweise damit vollzuladen, um die Wirkung zu maximieren.
  • Es wird darüber spekuliert, ob der Montenegriner, der mit Waffen und Sprengstoff in Deutschland aufgegriffen wurde, etwas mit dem Anschlag zu tun hatte. Zunächst einmal würden wir hier empfehlen, jemanden aus dem ehemaligen Jugoslawien zu fragen, ob Zlatko ein typisch moslemischer Name ist (nein). Daß eine Gruppe, die sich wohl noch nicht einmal untereinander vertraut hat, einen derart Außenstehenden in einer so sensiblen Frage bemüht hätte, würden wir bezweifeln. Es ist nicht auszuschließen, aber aus unserer Sicht auf den ersten Blick unplausibel. Daß Horst Seehofer das Thema dennoch offensiv ansprach, hat wohl andere Gründe. So eine Gelegenheit darf man eben nie auslassen.
  • So schrecklich die Anschläge sind und so traurig dies für Opfer, ihre Angehörigen und Freunde ist, kann man doch das Positive darin sehen, daß Da’esch sich auf diese Weise als selten unfähige Organisation ausweist. Wenn man in Syrien und dem Irak in einer Schrottpresse sitzt, deren eiserne Wände man langsam zu spüren bekommt, sollte man eigentlich meinen, daß Da’esch dort alle Kräfte konzentriert, um den Brückenkopf zu halten. Stattdessen verzettelt man sich in anderen Ländern, wo man nicht einmal einen Organisationsgrad oberhalb von 10 Personen hinbekommt.
  • Ansonsten begreift Da’esch auch nicht, warum Terrorismus eine fast garantierte Versagerstrategie ist. Hierzu würden wir die Arbeiten von Max Abrahms empfehlen, deren Vorhersagen wieder einmal zu beobachten sein werden. Wenn Da’esch sich einbildet, daß sich Frankreich nun aus Syrien und dem Irak heraushält, ist man ziemlich falsch gewickelt. Wohl kein Land wird sich dort so engagieren. Daß man bereits eine Annäherung zwischen dem Iran, den USA und Rußland zuwege gebracht hat, zeigt die strategische Unfähigkeit auch der obersten Führung von Da’esch. Vielleicht ist das aber auch der wahre Hintergrund für die Attentate in Paris: man eilt in seinem Kernbereich von Niederlage zu Niederlage (zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier und hier). Durch die Aktion kann man davon einmal ablenken und einen Achtungserfolg bei seinen Anhängern erringen, daß man überhaupt noch irgendetwas hinbekommt.

Update

Unsere Vermutung war wohl nicht richtig, daß es sich bei dem VW Polo und dem Seat Leon um dasselbe Auto handelte. Es wurde von den Tatorten entfernt ein schwarzer Seat Leon sichergestellt, in dem sich Kalaschnikoffs befanden. Das würde bedeuten, daß es weitere Täter gab, die entkommen sind. Wir würden vermuten, daß diese zusammen mit den Insassen des VW Polos an der Serie der Attentate auf die Cafés und Restaurants beteiligt waren und sich kurz vor Schluß abzweigten. Das würde auch die knappen zeitlichen Abstände zwischen dem letzten Anschlag und dem Angriff auf das Theater Bataclan erklären. Eine solche Aufsplitterung macht eigentlich keinen Sinn. Vielleicht hat man sich einfach verloren und war dann unfähig, einen neuen Plan zu fassen. Denkbar wäre, daß wie bei der anderen Gruppe recht schnell die Munition ausging. Daß an den Anschlägen auf die Cafés und Restaurants mehr Täter beteiligt waren, würde auch die vergleichsweise hohe Opferzahl erklären.

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Dieses Zitat kann man gar nicht oft genug bringen

Julius Otto Ludwig Möller (Deutsch-Freisinnige Partei) am 15. Januar 1886 im Reichstag:

„Denn leider habe ich ja lieblose Aeußerungen hören müssen wie die: „Was gehen uns jene Fremden an? wer hat sie überhaupt geheißen, hierher zu kommen?“ Ich will nun freilich die Frage ganz unerörtet und unentschieden lassen, ob diese Leute einen geschriebenen Satz des Völkerrechts zu ihrem Schutze anrufen könnten; das aber weiß ich doch, daß es ein Recht gibt älter und heiliger als alle geschriebenen Satzungen und Verträge, ein Recht, das schon heilig gehalten worden ist im Anfange aller Kultur: das Gastrecht! Und ich meine, daß es eines Volkes, welches, wie das deutsche, mit Recht stolz ist auf seine Kultur und seine Humanität, am allerwenigstens würdig sein kann, dieses alte heilige Recht zu verletzen oder auch nur ohne den entschiedensten Widerspruch verletzen zu lassen.“

Zum Hintergrund siehe: Einwanderungsland Preußen

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Islamistische Machtübernahme: so einfach gehts!

von Henning Helmhusen

Wenn sich Lutz Bachmann und Pierre Vogel über etwas schnell einig werden könnten, dann wohl darüber, daß eine Machtübernahme islamistischer Kräfte in Deutschland kurz bevorsteht. Auf den ersten Blick würde man das klinisch wohl als eine „folie à deux“ bezeichnen, eine psychische Störung, bei der sich zwei Menschen in ihren Wahnvorstellungen gegenseitig bestärken und immer mehr angleichen. Doch handelt es sich wirklich um eine Wahnvorstellung? Ich habe dazu einen kleinen Plan aufgestellt, wie Islamisten Deutschland übernehmen könnten. Das erschreckende Ergebnis: es ist total einfach!

Es gibt in Deutschland etwa 4 Millionen Moslems, also etwa 5% der Bevölkerung. Die große Mehrheit von ihnen sind bereits Salafisten, nach Einschätzung des Verfassungsschutzes etwa 6.300 oder 0,16%. Der erste Schritt zur Machtübernahme sollte von daher sein, die kleine Minderheit von 99,84% der übrigen Moslems auf Linie zu bringen. Hier bieten sich einige Gruppen ganz besonders an. Ich erwähne nur die 500.000 bis 800.000 Kurden in Deutschland, mehrere Hunderttausend Schiiten, kemalistische Türken oder säkuläre Moslems vom Balkan. In der Geschichte gibt es viele Beispiele, wie eine Gruppe von 0,16% die restlichen 99,84% binnen kurzem missioniert hat. Deshalb sind ja auch alle Nichtmoslems in Deutschland mittlerweile bei den Zeugen Jehovas.

Um diese große Gemeinschaft (für Experten: die Umma) zu repräsentieren, braucht man nun bloß noch eine Integrationsfigur, die für alle Beteiligten gleich akzeptabel ist. Mein Vorschlag wäre hier Akif Pirinçci, der gleichzeitig als Kalif, Zwölfter Imam (für die Schiiten), wiedergeborener Kemal Atatürk (für Kemalisten) und Serok („Führer“ für PKK-Fans) auftreten könnte. Als Tarnung könnte man von Björn Höcke lernen und die deutsche Flagge ähnlich unhistorisch folgendermaßen uminterpretieren: schwarz (für die Anhänger des Islamischen Staates) – rot (für türkische Nationalisten) – gelb (für Anhänger der PKK). Aber Vorsicht: die Schahada, der Halbmond und das Portrait von Abdullah Öcalan sollten nur sehr klein abgebildet werden. Ein Demonstrant bei Pegida, der unlängst interviewt wurde, schien hier schon Lunte gerochen zu haben.

Nachdem somit die monolithische Umma der Salafisten im Handumdrehen hergestellt ist, kann es sogleich ans Erobern der Macht gehen. Nur etwa die Hälfte der Moslems in Deutschland sind allerdings Staatsbürger, die wählen können. Mit weniger als 3% der Wahlberechtigten kann man also nicht nur ganz leicht die 5%-Hürde überrennen, auch eine absolute Mehrheit, ja sogar eine Zweidrittelmehrheit für Verfassungsänderungen und die Mehrheit im Bundesrat sind zum Greifen nahe. Nur würde das viel zu lange dauern, weil die nächsten Bundestagswahlen erst 2017 anstehen. Aus diesem Grund wird die islamistische Machtergreifung wohl einen anderen Gang nehmen müssen. Allenthalben raunt man ja auch schon davon, daß wir kurz vor einem Bürgerkrieg stehen. Daß das eine reale Gefahr ist, möchte ich nun darlegen. Es ist erschreckend, wie die Lügenpresse bislang diese so offensichtliche Bedrohung verschwiegen hat. Jeder, der darauf hinweist, wird sofort mundtot gemacht. Aber ich lasse mich nicht verschrecken — Widerstand! —, ich erkläre trotzdem, wie es laufen wird.

Der deutsche Staat muß von den Islamisten gewaltsam überwältigt werden. Leicht gemacht wird das dadurch, daß es in Deutschland nur etwa eine Viertelmillion Polizisten und etwa 175.000 Soldaten der Bundeswehr mit weiteren 90.000 eingeplanten Reservisten gibt, also nur gut eine halbe Million, die aus dem Stand unter Waffen stehen würden. Um das Argument einfacher zu machen, unterschlage ich einfach einmal die ganzen Reservisten aus Zeiten der Wehrpflicht und sonstigen Bürger, die bewaffnet sind.

Die Islamisten müssen nun bloß eine vergleichbar große Streitmacht aufstellen, sagen wir, eine halbe Million Mann. Dazu muß man nur etwa ein Viertel der männlichen Moslems ausheben. Das deutsche Kaiserreich hielt eine Friedenspräsenzstärke von 1% der Bevölkerung mit einer Wehrpflicht von zunächst drei, später zwei Jahren aufrecht. 1% der männlichen Bevölkerung entspricht also etwa 1 Jahr Wehrpflicht. Von daher müssen die Islamisten nichts weiter tun, als eine Wehrpflicht von 25 Jahren für Moslems einführen. Der immense Vorteil für sie: damit muß kein eigener „Volkssturm“ mehr aufgestellt werden!

Natürlich müssen diese Soldaten auch unterhalten und ausgerüstet werden. Für Unterkunft sorgt man mit ein paar Kasernen wie die Bundeswehr. Jeder, der noch ein leeres Zimmer hat, kann eine einrichten. Und wer einen Vorgarten von einigen Quadratkilometern Größe sein eigen nennt, macht ohne Umschweife einen Truppenübungsplatz daraus.  Die laufenden Kosten sollten dabei bestimmt nicht viel höher als für die Bundeswehr alleine ausfallen, die 2015 etwa 30 Milliarden Euro benötigte. Solche Kleckerbeträge haben die Islamisten natürlich schnell zusammengekratzt. Zwar sind 500.000 als Wehrpflichtige aus dem Rennen, aber von den anderen 1,5 Millionen Männern (inklusive Kinder und Greise, aber ohne Frauen, die ja alle zuhausebleiben) muß jeder nur 20.000 Euro pro Jahr beisteuern. Das mag auf den ersten Blick erschreckend viel für Leute erscheinen, die nur von Hartz IV und Kindergeld leben. Aber da muß dann mal in die Hände gespuckt und gearbeitet werden, auch wenn über die Steuern natürlich die deutsche Polizei und die Bundeswehr mitfinanziert werden.

Allerdings ist das noch nicht alles: die laufenden Kosten der Bundeswehr ersetzen ja nur einen Bestand, der über die Zeit abgeschrieben wird. Wenn man hier mal die Beschaffung von etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr über fünfzehn Jahre verteilt, erhält man einen Bestand im Wert von etwa 150 Milliarden Euro. Für die Grundausstattung der islamistischen Armee wären hier also noch einmal 100.000 Euro zu Anfang und pro Kopf der arbeitenden Moslems beizutragen. Einige Hunderttausend schwere Waffen, Hunderte Panzer und Flugzeuge, usw. kann man wohl unauffällig nach Deutschland bringen. Das würde bestimmt niemandem auffallen.

Wo man nun die halbe Million Mann ausgehoben, untergebracht und ausgerüstet hat, ist es fast schon Zeit loszuschlagen. Es gibt allerdings noch ein Problem: Was, wenn die NATO etwas spitzbekommt und die anderen Staaten einige Millionen Mann als Verstärkung der Bundeswehr nach Deutschland schicken?

Hier bewährt sich ein alter Trick, der sogar bei Kindern manchmal funktioniert. Es macht sich dabei auch bezahlt, gerade Akif Pirinçci als Kalif-Imam-Atatürk-Serok ausgewählt zu haben. Man muß nämlich nur das folgende tun: Mit gespielter Überraschung reißt man den Arm hoch und zeigt gen Himmel. Dazu ruft man: „Kuck mal, da fliegt ja ein rosa Elefant!“ Und während die NATO noch durch diese Finte abgelenkt ist, schlagen die Islamisten los.

Um noch unauffälliger zu sein, haben sie sich dabei etwas besonders Perfides ausgedacht. Jeder würde natürlich annehmen, daß sie dort angreifen, wo sie besonders stark sind. Aber das wäre ja leicht vorhersehbar. Stattdessen suchen sie sich Sachsen aus mit weniger als 1% Moslems als die schwache Stelle (wie geschickt: die eigene!). Ihnen kommt dabei zugute, daß sie eine enorme Kampfkraft haben. Mit dem geheimen Wissen aller arabischen Armeen, die selbst in hoffnungsloser Minderzahl noch jedesmal gegen Israel gewonnen haben, können sie ihre geringe Anzahl ausgleichen. Nachdem die Sächsische Schweiz im Nu (oder sächsisch: Nüö) eingenommen ist, brauchen die Islamisten nur noch auf Berlin zu marschieren (Kampfruf wie die Franzosen 1870: إلى برلين – nach Berlin!). Die Bundesregierung mag sich in einem atombombensicheren Bunker verschanzen, aber mit handelsüblichen Dosenöffnern ist auch der schnell geknackt. Merkel im Niqab dankt schließlich ab und krönt den Kalif-Imam-Atatürk-Serok auch noch zum Kaiser von Deutschland und Bundestrainer der Deutschen Nationalmannschaft. Et voilà: Deutschland ist in der Hand der Islamisten!

Meine einzige Bitte: Laßt mich in Eurem Bund der Dritte sein. Vive la folie à trois!

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Helmhusen Lachen klein 4

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Hitparade der deutschen Dschihadistennamen

von Henning Helmhusen

  1. Kara Ben Nemsi (ausverkauft, bitte nicht mehr wählen!)
  2. Ali Baba Al Almani
  3. Ghetto-Rapper 0-8-15
  4. Ayatollah Osama
  5. Abu Bakr Al Bundy
  6. Lawrence von Arabien
  7. Joko Haram
  8. Abu Kevin Al Recklinghauseni
  9. Der Wüstenfuchs
  10. Mullah Hadschi Halef Omar etc. pp.
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Der lange Marsch zu „Wir sind das Volk“

Als Sensation wurde in der Presse die Nachricht herumgereicht, daß die AfD aktuell unglaubliche 40 Neumitglieder pro Tag verzeichnen kann.

Respekt.

Wir haben mal nachgerechnet, wann die AfD dann zurecht von sich sagen kann: „Wir sind das Volk“ (= 81,198 Millionen Mitglieder). Wenn wir uns nicht vertan haben, dann ist es in etwa 5500 Jahren so weit!

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Hier sind endlich die Grenzen der Zuwanderung

In der gegenwärtigen Diskussion trifft man häufig auf das folgende Argument:

Es muß endlich anerkannt werden, daß es Grenzen der Zuwanderung gibt!

Der Unterton der Aussage ist dabei, daß man etwas Selbstevidentes ausspricht, das nur ein Narr bestreiten könnte. Und da man davon ausgeht, daß Vertreter von offenen Grenzen für ihre Position dem Argument widersprechen müßten, glaubt man sie damit gestellt zu haben. Eine grenzenlose Einwanderung geht nicht und ist von daher ein Unding!

Die Schlußfolgerung ist allerdings falsch. Hier sind zwei Grenzen, die wir sofort bestätigen können:

  • Die Bundesrepublik Deutschland hat eine Fläche von 357.340,08 Quadratkilometern. Ein Quadratkilometer sind 1 Million Quadratmeter. Wenn also 357 Milliarden 340 Millionen und 80.000 Menschen (minus die Zahl der aktuellen Einwohner) in die Bundesrepublik Deutschland einwandern wollten, dann hätte jeder nur noch im Mittel einen Quadratmeter zum Leben. Das erscheint uns durchaus etwas eng. Et voilà: da haben wir bereits die erste Grenze für Zuwanderung!
  • Wir wollen aber gar nicht so hoch greifen. Nach einer Schätzung gab es zum Jahreswechsel 2014/2015 auf der Erde 7.284.283.000 Menschen. Bringen wir davon die 81,198 Millionen Menschen in Abzug, die bereits in Deutschland leben und die gar nicht einwandern können, so erhalten wir eine Grenze von 7.203.085.000 Zuwanderern nach Deutschland, denn an dem Punkt gehen die Einwanderer einfach aus und wir müssen neue nachbestellen.

Hiermit sind wir nun in der erfreulichen Lage, die Forderung von Kritikern offener Grenzen zu erfüllen:

Ja, es gibt Grenzen der Zuwanderung. Einigen wir uns auf 7.203.085.000 Menschen!

Unsere Entschuldigung dabei an alle, die das albern finden. Das liegt nicht an uns. Wir decken damit nur den Taschenspielertrick auf, der bei dem obigen Argument verwendet wird:

Im ersten Schritt fordert man ein Zugeständnis ein, daß es irgendeine Grenze gibt. Und dann legt man die Kugel unter ein anderes Hütchen, auf dem steht: es ist moralisch gerechtfertigt, mit Zwang alle zurückzuweisen, die mehr kommen als eine ganz bestimmte Grenze, die man gerne hätte.

Es ist natürlich möglich, daß man ein gutes Argument hat, warum man eine Grenze mit allen Konsequenzen bei einer gewissen Zahl ansetzen will und das für moralisch gerechtfertigt hält. Nur drückt man sich darum, es zu vertreten, und tut so, als wenn man die gewünschte Grenze als selbstevident bereits nachgewiesen hätte, während man eine ganz andere Aussage etabliert hat.

Apriori ist gar nicht klar, wo so eine „Grenze der Zuwanderung“ denn liegen würde: Sie könnte, wie die von uns genannten Grenzen, weit oberhalb des heutigen Niveaus liegen. Stattdessen ist die implizite und ebenfalls nicht begründete Behauptung, daß die Grenze auf oder sogar unter dem heutigen Niveau liegt. Man will also aus der allgemeinen Aussage „es gibt irgendeine Grenze“ zu der sehr spezifischen Aussage kommen „es sollte eine ganz bestimmte Grenze auf oder unterhalb des jetzigen Niveaus geben“.

Mal abgesehen davon, daß hier auch noch ein falscher Schluß vom Sein zum Sollen miteingebaut ist, beruht das Argument, das so unwiderlegbar daherkommt, auf nichts weiter als einem ziemlich simplen logischen Fehlschluß.

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Demographische Panik: Wie wichtig sind Geburtenraten?

Eine häufig geäußerte Ansicht ist die, daß Länder wie Deutschland aufgrund von niedrigen Geburtenraten (oder genauer: geringer Fertilität) an Dynamik verlieren. Der Anteil der dynamischen Jungen sinke, dafür gebe es immer mehr Alte, die versorgt werden müßten. Die Gesellschaft „vergreise“, verliere an Schwung, usw. Es sei von daher notwendig, die Geburtenraten zu steigern, um diese verderbliche Entwicklung umzukehren. Wie im folgenden erklärt werden soll, beruht diese Ansicht wenigstens teilweise auf zwar naheliegenden, aber nicht sehr triftigen Trugschlüssen.

Um diesen Teil nicht mit technischen Details zu überfrachten, sei die Erläuterung der Berechnungen auf einen Anhang unten verlagert. Es ist nur festzuhalten, daß im Hintergrund ein Modell der Wirklichkeit durchgerechnet wurde, dessen Vereinfachungen keinen großen Einfluß auf die qualitativen Aussagen haben sollten. Die Ergebnisse können nicht auf Nachkommastellen hin betrachtet werden (weshalb auch gleich gerundet wurde), sondern nur auf Größenordnungen. Der wesentliche Punkt ist, daß das Modell so aufgebaut wurde, daß die Bevölkerung bei einer Fertilität von 2 (Kindern pro Frau über das Leben) stabil bleibt, nicht bei 2,1 wegen denen, die früh sterben. Insofern sind tatsächliche Fertilitäten im Modell etwas nach unten zu korrigieren.

Was bekommt man nun für eine Bevölkerung mit verschiedenen Fertilitäten im Gleichgewicht (dem Zustand, dem man sich auf Dauer annähert)? Es seien vier Fälle durchgespielt:

  • 1.35 (in etwa nach obiger Korrektur die Fertilität in Deutschland),
  • 2 (nach Konstruktion „replacement fertility“ mit stabiler Bevölkerung),
  • 2.35 (mit einer Korrektur die Fertilität der Welt aktuell) und
  • 4 (im oberen Bereich der Länder weltweit, etwa das Niveau von Afghanistan).

Es werden fünf Gruppen gebildet: Kinder (0-20 Jahre), Junge (20-40 Jahre), Reife (40-60 Jahre), Alte (60-80 Jahre) und Greise (über 80 Jahre). Junge und Reife werden als Aktive (20-60 Jahre) zusammengefaßt. Über die Bezeichnungen kann man sich streiten, sie sind nur als einprägsam, nicht wertend gemeint (2ojährige sind kein Kinder, 40jährige vielleicht auch nicht mehr ganz jung). Hier die Ergebnisse für den Anteil der Altersklassen an der Gesamtbevölkerung:

Fertilität 1.35 2 2.35 4
Kinder 16% 25% 30% 46%
Junge 20% 24% 26% 27%
Reife 25% 24% 22% 17%
Alte 26% 19% 16% 8%
Greise 13% 8% 6% 2%
Aktive 45% 48% 48% 43%

Was vielleicht auf den ersten Blick verblüffend ist: Der Anteil der Aktiven hängt nur wenig von der Fertilität ab. Der Trugschluß, der vielen hier unterläuft, ist dabei wohl, daß man auf der höheren Anteil von Alten und Greisen bei geringerer Fertilität starrt und den geringeren Anteil an Kindern übersieht, der das fast ganz ausgleicht. Bei sehr hoher Fertilität überwiegt der Effekt von Seiten der Kinder sogar, sodaß eine derartige Gesellschaft weniger Aktive hat als eine mit einer Fertilität wie Deutschland.

Der nächste Trugschluß baut auf dem ersten auf: Weil es immer weniger Aktive gibt (falsch oder geringfügig), wird die Belastung durch die immer mehr Alten und Greise (richtig) größer. Dabei wird aber übersehen, daß eine Gesellschaft mit geringerer Fertilität viel weniger für Kinder aufwenden muß. Vermutlich ist der Aufwand für Alte und Greise höher als der für Kinder, aber netto reduziert das die Belastung natürlich deutlich.

Wie schaut es mit der Dynamik aus? Man kann vermuten, daß mehr Alte und Greise auf politischem Wege ihre Befindlichkeiten durchsetzen. Das ist möglich, aber nur wenn man denkt, daß das Wahlverhalten von unmittelbaren Interessen getrieben wird, was eher falsch ist. Für andere Bereiche ist die Sache noch weniger klar: Unternehmen werden sicher mehr Resourcen in Reinigungsmittel für dritte Zähne als für Windeln stecken, im Radio kommen häufiger die Hits von vor 50 Jahren als die neueste Boygroup. Da der Anteil der Menschen im mittleren Bereich jedoch in etwa gleich bleibt, sollte sich hier wenig ändern. Und das ist die bestimmende Altersgruppe. Ob diese eher mit den Trends der Alten und Greisen oder denen der Kinder mitläuft, ist unklar: vielleicht weder das eine noch das andere. Wie die Anteile von Jungen und Reifen zeigen, kann es in der bestimmenden Gruppe zwar gewisse Verschiebungen geben, die aber alles andere als dramatisch ausfallen.

Doch ist eine junge Gesellschaft nicht dynamischer? Schwer zu sagen. Welche Dynamik geht etwa von 5jährigen aus? Bestimmt in einem gewissen Sinne eine, aber keine die meist gemeint ist. Gibt es durch positive Externalitäten von Säuglingen mehr Innovationen oder durch solche von erfahrenen, aber tatterigen 80jährigen? Wen würden Sie eher als Berater für ihr Unternehmen hinzuziehen, den 70jährigen, der vielleicht nicht mehr so fit ist, oder das 10jährige Kind? Wer im einen Fall eine „Vergreisung“ durch den Einfluß der Alten und Greisen befürchtet, sollte, wenn er den obigen Trugschluß ausläßt, umgekehrt bei hoher Fertilität eine „Infantilisierung“ der Gesellschaft befürchten, weil sich alles nur noch um Kleinkinder dreht.

Vielleicht noch ein interessanter Effekt: In der Gesellschaft mit geringer Fertilität ist jede ältere Klasse größer als die nachrückende (außer die Greise). Das kann auf die Dynamik unterschiedlich zurückwirken: wer praktisch lebenslang immer in die nächsten Positionen einrücken kann, ja sogar dort gesucht ist, der ist vielleicht motivierter oder aber träger, weil alles von selbst läuft. Unklar. Umgekehrt in einer Gesellschaft mit hoher Fertilität, wo jeder immer in einen Trichter hineinläuft. Das kann natürlich eine anspornende Konkurrenz entfachen, aber auch viele vor die Wand laufen lassen.

Fazit: Die hier angestellte Betrachtung ist sicherlich nicht erschöpfend, was die Vor- und Nachteile verschiedener Fertilitäten anlangt, sie ist aber vielleicht ein Hinweis, daß gewisse oft geäußerte Behauptungen nicht so einleuchtend sein müssen, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen.

Anmerkungen zum Modell

Angenommen wird, daß Menschen bis 50 Jahre nicht sterben, ab da mit 1% pro Jahr der Anfangspopulation bei Geburt bis 75 Jahre (ein Viertel) und der Rest mit 3% pro Jahr der Anfangspopulation bei Geburt. Das ist nicht perfekt realistisch, aber auch nicht weit weg von der Wirklichkeit. Die Lebenserwartung liegt bei etwas über 80 Jahren unter der Annahme.

Für die Geburten wird angenommen, daß diese im Alter von 15 bis 43 Jahren vorkommen. Die Verteilung wird als eine Funktion angenommen, die linear von 0 auf ein Maximum bei 29 Jahren ansteigt und dann ebenso linear auf 0 abfällt. Auch das ist nicht perfekt realistisch, aber ebenfalls nicht sehr weit von der Wirklichkeit entfernt (der Mittelwert liegt in Deutschland eher bei 31 Jahren).

Die Berechnung ist einfach: Jahrgänge rücken von Jahr zu Jahr auf, je nachdem um die Verstorbenen reduziert. Die Jahrgänge haben Kinder gemäß ihrem Anteil und Alter, die als neuer Jahrgang im nächsten Jahr erscheinen. Egal womit man anfängt, konvergiert die Alterspyramide auf Dauer gegen eine stabile Verteilung. Nach mehr als 200 Jahren wird diese abgegriffen und auf die Altersklassen kumuliert.

Das ließe sich alles bestimmt genauer modellieren. Für die Ergebnisse sollte das, zumal für die relativen Vergleiche, aber wohl nur einen geringen Einfluß haben. Wer das anders sieht, kann gerne zeigen, wieso diese Aussage falsch ist. Ein paar Prozentpunkte Marge halten alle Aussagen locker aus.

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Kapitalistenschweine: Kraut Intelligence

Ein neues Stück von unserer Hausband, diesmal als Neo-Krautrock (23:55 Minuten):

Siehe auch:

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Türkei gewährt Ungarn Asyl vor der Verfolgung durch die Österreicher

„Dies zeigte sich im Falle der Türkei, die von ihrer Civilisation nicht so viel Rühmens macht wie andere Länder, als sie das Asylrecht politischer Flüchtlinge nach dem Scheitern der ungarischen Erhebung, gegenüber ihren mächtigeren Nachbarstaaten [d. h. Österreich und Rußland] nachdrücklichst vertheidigt. Die Pforte verweigerte der Oesterreichischen Regierung die 1849 von dieser begehrte Auslieferung Ungarischer Insurgenten, was um so ehrenvoller war, als sie im Hinblick auf die ihr von anderer [d. h. russischer] Seite drohenden Gefahren der Oesterreichischen Freundschaft ein großes Gewicht beizumessen hatte.

Unzweifelhaft hat dies mannhafte und kräftige Auftreten den Türken damals einen großen Theil der Europäischen Sympathieen erworben, und in der öffentlichen Meinung jene Stimmung hervorgerufen, die der Türkei bei dem Ausbruch des Orientalischen Krieges 1854 Unterstützung gewährte. Auch heute sollte es nicht vergessen werden, daß es eine muhammedanische Regierung war, die verfolgte Christen gegen den Zorn einer christlichen Regierung in Schutz nahm.

Aus: Franz von Holtzendorff: Die Auslieferung der Verbrecher und das Asylrecht, 1881 (Neuausgabe bei Libera Media).

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