Keine Pässe, keine Visa – welches Land macht denn sowas?

Ein kleines Ratespiel. Das Land, um das es geht, hat ein Gesetz erlassen. Der erste Paragraph des Gesetzes sichert jedem Bürger zu, daß er weder beim Verlassen noch bei der Wiedereinreise und natürlich erst recht nicht beim Reisen innerhalb des Landes ein Reisepapier braucht.

Da es andere Länder gibt, die ein Reisepapier verlangen, hat jeder mit geringen Auflagen ein Anrecht, ein Reisepapier ausgestellt zu bekommen, wofür aber höchstens ein mäßiger Betrag als Gebühr verlangt werden darf.

Doch es kommt noch verrückter: Im zweiten Paragraphen des Gesetzes wird sogar allen Ausländern — ja, allen! — zugesichert, daß sie weder bei der Einreise, der Ausreise noch beim Aufenthalt im Land ein Reisepapier benötigen. Sie müssen sich nur, wie auch die Bürger, auf amtliches Verlangen hin über ihre Person ausweisen können. Niemand braucht zudem Reisepapiere vorlegen, um ein Visum zu bekommen.

Diese völlige Abschaffung aller Reisepässe und Visa kann nur unter ganz besonderen Umständen und vorübergehend ausgesetzt werden, etwa während eines Krieges oder bei Unruhen.

Welches Land macht denn sowas?

GesetzAm 17. September 1867 „beehrt sich“ der Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes Otto von Bismarck, dem Norddeutschen Reichstag ein „Gesetz über das Paßwesen“ zur Annahme „ganz ergebenst vorzulegen.“ Das Gesetz wird in nur wenig veränderter Form mit großer Zustimmung vom Reichstag angenommen.

„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen“ verfügt das Gesetz dann „[u]rkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Bundes-Insiegel“ am 12. Oktober 1867. In Kraft tritt es per 1. Januar 1868. Mit der Reichsgründung 1871 wird die Geltung des Gesetzes auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Das „Gesetz über das Paßwesen“ kommt dabei nicht aus heiterem Himmel. In der „Dresdner Konvention“ vom 21. Oktober 1850 ist bereits die Visumspflicht innerhalb Deutschlands abgeschafft worden. Im Jahr 1859 schließt sich Österreich-Ungarn dem Abkommen an. Allerdings benötigt man zum Reisen noch eine „Paßkarte“.

Am 7. Juli 1865 machen Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg den nächsten Schritt und schaffen Paßpflicht und alle Visa ab — auch für Ausländer. Dem schließen sich bald andere deutsche Staaten an. Der Norddeutsche Bund vollzieht dies dann zwei Jahre später nach. Allerdings ist Deutschland hier eher ein Nachzügler. Die Schweiz und Schweden haben Paßpflicht und Visa schon längst für alle Länder abgeschafft, Frankreich, Belgien und die Niederlande für andere Länder auf Gegenseitigkeit.

Aufschlußreich für den liberalen Geist der Zeit ist die Begründung in den Motiven zum „Gesetz über das Paßwesen“. Diese hält sich nicht lang mit Argumenten auf:

„[N]ach den Ansichten, welche in neuerer Zeit allgemein über diesen, einen großen Theil der Bevölkerung nahe berührenden Gegenstand sich geltend gemacht haben, werden weder die gleichmäßige Regelung des Paßwesens für das ganze Gebiet des Bundes durch ein Bundesgesetz, noch auch diejenigen Grundsätze einer besonderen Rechtfertigung bedürfen, von welchen allein bei dem Erlaß eines solchen Gesetzes ausgegangen werden kann. Es darf die freie Bewegung des unverdächtigen Reisenden nicht durch Maßregeln gehemmt und gestört werden, welche keinen anderen Zweck haben, als den Verdächtigen auf die Spur zu kommen, deren Anzahl gegen die stets wachsende Zahl der Reisenden überhaupt doch immer nur verschwindend klein ist; es mußte namentlich davon ausgegangen werden, daß der Paßzwang, welcher seit der außerordentlichen Vermehrung des Reiseverkehrs ohnehin nicht mehr durchführbar war, auch gesetzlich aufzuheben sei.“

Pässe und Visa seien sowieso überflüssig, so führen die Motive weiter aus:

„Bei der Beurtheilung des Entwurfs im Allgemeinen ist zunächst der Zweck desselben ins Auge zu fassen, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß durch die darin bundesgesetzlich ausgesprochene Aufhebung des Paßzwanges weder die Wirksamkeit der Polizei bei der Verfolgung wirklich gefährlicher Individuen beeinträchtigt, noch auch andere dem Paßwesen verwandte Institute, welche aber einen anderen Zweck verfolgen, beseitigt werden sollten. Der Entwurf bezweckt, den gewöhnlichen Reiseverkehr von den Unbequemlichkeiten und Belästigungen des Paßzwanges zu befreien. Niemand soll verpflichtet sein, bloß aus dem Grunde, weil er seinen gewöhnlichen Wohnort verläßt, sich mit Legitimationspapieren zu versehen und solche auf der Reise den verschiedenen Polizeibehörden zum Visiren vorzulegen.“

Die einzige Ironie des „Gesetzes über das Paßwesen“ ist nur, daß es ausgerechnet von Otto von Bismarck vorgelegt wird, der knapp zwanzig Jahre später daran gehen wird, die Grenzen wieder zu schließen und damit eine Entwicklung einleitet, die zu den späteren Zuständen mit „Unbequemlichkeiten und Belästigungen“ geführt hat.

Deutschland war also schon mal weiter. Und leider marschiert Bayern nicht mehr an der Spitze des Fortschritts. Aber die Geschichte ist ja noch nicht zuende.

[Dieser Artikel ist zuerst auf dem Blog "Offene Grenzen" erschienen.]

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Notizen eines Lebemannes

von Alexander Moszkowski, 1912

Keine Dame ist so langweilig, daß sie nicht zu Zeiten sehr amüsant sein könnte.

*

Wenn du von schönen Lippen das Kosewort “Einziger” hörst, so stelle dir vor, wie sich aus demselben Munde der Aufschrei “Elender!” anhören wird.

*

Die Erfahrung wächst im Verhältnis zur Zeit und die belle fortune proportional zur fortschreitenden Glatze.

*

Reserviere dir den Höhepunkt der Leidenschaft auf den Frühling und Sommer; im Winter sind die Blumen zu teuer.

*

Bevorzuge in Schweden Blondinen, in Italien Brünetten.

*

Die im Auge zerdrückte Träne wirkt besser als ein richtiges Weinen.

*

Bei beunruhigtem Gemüte versuche es zuerst mit doppelkohlensaurem Natron. Bleibt die Unruhe bestehen, dann ist es Liebe.

*

Renommiere nicht mit Erfolgen; aber feiner Diskretion darf sich Jeder rühmen.

*

Sei nicht neugierig nach·Geburtstagen. Du wirst es ohnedies erfahren.

*

Wenn du eine neue Bekanntschaft machst, so denke über einen Trennungsgrund nach.

*

Für den “Dritten” liegen in einer glücklichen Ehe die Chancen besser als in einer unglücklichen-

*

Nichts schriftlich!

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In der Sommer- und Reisezeit werden ältere Engagements meist sehr lästig. Dem beuge vor: Vom 15. Mai bis Ende September sei immer “beleidigt”.

*

Beginne deine Sätze häufig mit dem Wörtchen “leider”; das erleichtert die Beziehungen.

*

Am siebenten Tage sollst du ruhen.

*

Das beste Archiv ist ein geheizter Ofen.

*

Eine Zähre im Auge steht auch dem Manne gut, besonders eine Freudenträne beim Abschied.

*

In der Notlage darfst du schwören, daß du treu warst, selbst dann, wenn es wahr ist.

*

Brich von Zeit zu Zeit die Schreibtische deiner Freundinnen auf. Es lohnt sich stets und erleichtert die Lösung.

*

Miete eine Junggesellenwohnung nur in solchem Hause, in dem ein Zahnarzt oder eine Modistin wohnt. Dort fallen Besuche nicht auf.

*

Zwei Worte dürfen in deinem Lexikon nicht vorkommen: Das Wort “unmöglich” und das Wort “heiraten”.

*

Besorge nichts beim Hofjuwelier Friedländer, wo du mit Sarotti auskommst.

*

Bilde dich in deinen zahlreichen Mußestunden zum Kunstschätzen aus; das verlängert das menschliche Dasein.

*

Animiere die Dame im cabinet particulier nie dazu, den Spiegel zu bekritzeln. Gewöhnlich wird man dabei einen Brillantring los.

*

Schwöre das Blaue. vom Himmel. Denn nicht die Richtigkeit, sondern die Häufigkeit begründet den Wert des Eides.

*

Hüte dich vor denjenigen Frauen, bei denen man Unglück in der Liebe hat, wenn man erhört wird.

*

Wenn du mit einer verheirateten Dame flirtest, vergiß nicht, für ihren Gatten zu schwärmen.

*

Bleibe Herr der Situation: Versichere der Brünetten von Zeit zu Zeit, daß blond eigentlich deine Lieblingsfarbe ist.

*

Eifersucht gehört zum vieux jeu. Wenn du einen Nebenbuhler hast, so befördere seine Erfolge: er wird sich revanchieren.

*

Alles zu seiner Zeit. Bringe in der geschlossenen Droschke das Gespräch nicht auf Plato.

*

Sei telephonisch nicht erreichbar.

Siehe auch:

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Links der Woche

Aktuelle Links gibt es fortlaufend auf unserer Facebook-Seite. Hier eine Auswahl der aus unserer Sicht interessantesten (fett die engere Auswahl):

  1. Sheldon Richman bei Reason: Libertarianism Is More Than Just Rejecting Force
  2. Vipul Naik bei Open Borders: Selection effects for migrants: some a priori possibilities
  3. Raphaela Birrer bei der Basler Zeitung: «Es ging um die Migration, nicht um Europa»
  4. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: A study of limiting HFT, siehe auch:
  5. Gwynn Guilford bei Quartz: Here’s why a China housing crash would crush the middle class—and why that matters
  6. Jorge Arprin bei arprin: Kurze Geschichte des Kulturpessimismus
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Eine Million Flüchtlinge im Libanon
  8. Vipul Naik bei Open Borders: What will the rapid economic growth under open borders look like?
  9. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Taxation and the distorted allocation of talent
  10. Achse des Guten: The integration of mainstream Islam is one of the great success stories of modern Britain
  11. Walter Laqueur bei Mosaic: The Walter Benjamin Brigade
  12. Freunde der offenen Gesellschaft: Mit dem Arsch, nicht mit dem zweiten, sieht man besser
  13. TechDirt: Building A More Decentralized Internet: It’s Happening Faster Than People Realize
  14. Tim Worstall beim Adam Smith Institute: No wonder activists hate the Koch brothers so much
  15. Reuters: Gericht ordnet Aufhebung der Youtube-Sperre in Türkei an, siehe auch: Oberstes Gericht in Türkei hält Twitter-Verbot für illegal und: Turkey’s Internet Censorship Runs Up Against Control Freak-Resistant Technology
  16. Jorge Arprin beim antibürokratieteam: Das Selbstbestimmungsrecht der Völker
  17. Bryan Caplan bei EconLog: Water Runs Downhill, and School Is Boring
  18. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: When was the great age of migration?
  19. New York Times: A Village Invents a Language All Its Own
  20. Michael Clemens bei CGDev: Think Development in Poor Countries Will Reduce Migration? The Numbers Say Otherwise
  21. Jason Brennan bei BleadingHeartLibertarians: Does Campaign Finance Buy Power? Results?
  22. Tim Worstall beim Adam Smith Institute: What on earth is Germany doing here?
  23. Matthew Feeney bei Reason: Is There Any Hope for France?
  24. Bryan Caplan bei EconLog: Is Welfare a Band-Aid for Nominal Wage Rigidity?
  25. Vipul Naik bei Open Borders: Open borders within India (part 1)
  26. Stephan Grigat bei Achse des Guten: Jobbik: “Ungarn darf kein zweites Palästina werden!”
  27. Walt Hickey bei 538: The Dollar-And-Cents Case Against Hollywood’s Exclusion of Women
  28. Elizabeth Nolan Brown bei Reason: Less Emotional People Are More Concerned With Justice
  29. Bryan Caplan bei EconLog: You Don’t Know the Best Way to Deal with Russia
  30. Catherine Mangu-Ward bei Reason: Mexican Potatoes Now More Welcome in U.S. Than Actual Mexicans
  31. Pro Asyl: Neue Schätzung: Mindestens 23.000 tote Flüchtlinge seit dem Jahr 2000
  32. David Boaz bei Cato at Liberty: Authoritarian Governments Use Old Smears to Tear Down Their Opponents
  33. Max Niesen bei Quartz: Why McDonald’s is recruiting grandparents to work alongside their grandchildren in Europe
  34. Kalle Kappner bei Offene Grenzen: Zur Clubtheorie der Einwanderung – BESTER ARTIKEL DER WOCHE
  35. Tim Fernholz bei Quartz: Everything wrong with capitalism, as explained by Balzac, “House” and “The Aristocats”
  36. Greg Mankiw auf seinem Blog: Word of the Day
  37. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Austrian business cycle theory refuses to die
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Wieviel Stimmen sind abgegeben?

Der Reichsfreund, 27. Februar 1890

Nach amtlicher Uebersicht sind abgegeben 7 031 460 Stimmen. — Die Hälfte davon sind 3 515 730. Die Kartellparteien erhielten nur 2 546 694 Stimmen — 919 646 Kons., 457 986 Freikons., 1 169 112 Nationallib. Auf die Gegner des Kartells fielen 4 484 766 Stimmen — 1 147 863 Freisinnige, 1 429 438 Centrum und Deutschhannoveraner, 1 341 587 Sozialdemokraten, 131 488 Volkspartei, 245 852 Polen, 100 479 Elsaß-Lothringer, 97 109 Wilde.

Gegen 1887 haben die drei Kartellparteien 999 168 Stimmen verloren.

Nach der sonst üblichen Bezeichnung ist das Deutsche Reich also glücklich dahin gelangt, daß über 63 pCt. der Wähler seine Feinde sind — 63 pCt. Reichsfeinde und nur noch 37 pCt. Reichsfreunde. Wenn das die Franzosen und Russen glaubten! Aber sie sind nicht so dumm.

Siehe auch:

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Links der Woche

Aktuelle Links gibt es fortlaufend auf unserer Facebook-Seite. Hier eine Auswahl der aus unserer Sicht interessantesten (fett die engere Auswahl):

  1. Jorge Arprin bei arprin: Es werde Licht!
  2. Jesse Walker bei Reason: Tell Me, Comrade, When Did Russia Go Bad?
  3. SWR: Nahles reagiert auf Sorgen der Bauernverbände
  4. Virginia Postrel bei Bloomberg: Crowdfunding Is Not a Scam, It’s Market Research
  5. Simon Romero bei der NY Times: Discoveries Challenge Beliefs on Humans’ Arrival in the Americas
  6. Bryan Caplan bei EconLog: The Swamping that Wasn’t: The Diaspora Dynamics of the Puerto Rican Open Borders Experiment, siehe auch: Diasporas, Swamping, and Open Borders Abolitionism
  7. Handelsblatt: Mehr Sicherheit beim virtuellen Geld
  8. Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: The Peltzman Effect in Children
  9. Stefan Frank bei der Achse des Guten: Die Mietpreisbremse: Original und Kopie
  10. Daniel Elkind bei Quartz: The Russians are voting with their feet
  11. The Economist: The great transition
  12. Jorge Arprin bei arprin: Staatsfernsehen abschalten
  13. Nick Stockton bei Quartz: Where everyone in the world is migrating—in one gorgeous chart
  14. Michael Miersch bei der Achse des Guten: Der Mann, der Millionen Menschenleben rettete
  15. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Did Bitcoins just become less fungible?, siehe auch: Will the current Bitcoin rules become obsolete?
  16. Katherine Mangu-Ward: Wikipedia Founder to Holistic Medicine Devotees: Drop Dead
  17. TechDirt: German Court Says Creative Commons ‘Non-Commercial’ Licenses Must Be Purely For Personal Use
  18. Walter Krämer bei der Achse des Guten: Unstatistik des Monats: Gewalt gegen Frauen und Zahlen
  19. J.D. Tuccille bei Reason: Finally, a Border Solution That Satisfies Everybody
  20. Abby Wisse Schachter bei Reason: The War on Fun
  21. Whet Moser bei Pacific Standard: Swedish Pop Mafia
  22. Vipul Naik bei Open Borders: Open borders between hostile nations
  23. Cynthia Graber bei FastCompany: One Goat’s Million-Dollar Blood Is Fueling Cancer Research
  24. Freunde der offenen Gesellschaft: Das analoge Verfassungsgericht
  25. David Henderson bei EconLog: Endogeneity and the Drug War
  26. Christopher Mims bei Quartz: Google’s brilliant plan to get millions to adopt its e-money system: Gmail
  27. Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: Metadata Reveals Sensitive, Private Information
  28. Sophie Jane Evans bei MailOnline: For cod’s sake: British tradition of eating fish and chips from paper using fingers facing ban by council killjoys
  29. Alex Nowrasteh bei Cato at Liberty: Family Members Use Most Employment-Based Green Cards
  30. Tim Fernholz bei Quartz: Why it’s worth spending a billion dollars a year to eradicate polio
  31. Guy Bentley bei CityAM: Why open borders should be the West’s peaceful response to Russian aggression – BESTER ARTIKEL DER WOCHE
  32. Don Boudreaux bei Hayek Cafe: More on How Minimum Wage Legislation Harms Even Employed Workers
  33. Gwynn Guilford bei Quartz: Cooking kills four million people a year
  34. Dalibor Rohac bei Cato at Liberty: Beware of the Kremlin’s Propaganda, siehe auch: Cathy Young bei Reason: Russia: Where the Real Fascists Are
  35. Jorge Arprin bei arprin: Die Große Koalition gegen die soziale Marktwirtschaft
  36. Bryan Caplan bei EconLog: How Diabolical is Unz’s Proposal?
  37. Zenon Evans bei Reason: Students For Liberty Against Ron Paul on Crimean Crisis
  38. Daveed Gartenstein-Ross bei Foreign Policy: The Lies American Jihadists Tell Themselves
  39. Elmira Bayrasli bei Quartz: A ban on Twitter hardly helps Turkey’s progressive reputation
  40. Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: Still Burned by the FDA
  41. Axel Bojanowski: Geheimer Uno-Report: Klimarat zweifelt an Prognosen zum Artensterben
  42. Matthew Feeney bei Reason: British Conservative Group Urging Cameron To Drop Migration Target
  43. Arnold Kling bei Library of Law and Liberty: Technology Shall Lead Us
  44. Roberto Ferdman bei Quartz: The slow death of the microwave
  45. Bryan Caplan bei EconLog: Socialism Was Born Bad: The Case of Oskar Lange
  46. Jonathan Portes bei Pieria: Newsnight: “Immigration report held back by Downing Street”: some background and analysis
  47. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Facts about fame (in praise of college towns)
  48. Emma Pierson bei 538: Parsing Is Such Sweet Sorrow
  49. Vipul Naik bei Open Borders: Factors constraining migration in the short run following significant migration liberalization
  50. Alberto Mingardi bei EconLog: A survey on communist symbols
  51. Jorge Arprin bei Offene Grenzen: Wird Europa islamisiert?
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Zur Kanzlerkrisis

Der Reichsfreund, 27. Februar 1890

Seit dem 21. Februar beschäftigt sich die politische Presse nur noch mit dem Ausfall der Wahlen — oder mit dem zukünftigen Reichstage. Die “Nationalzeitung”, die statt in Sack und Asche zu trauern, daß alle ihre Prophezeiungen über den Untergang der deutschfreisinnigen Partei und den ruhmreichen Aufschwung des Nationalliberalismus sich in’s Gegenteil verkehrt haben, Gift und Galle in gesteigertem Maße gegen die Deutschfreisinnigen ausspritzt, stellt schon Betrachtungen darüber an, wie das Präsidium des Reichstages zusammengesetzt sei. Sie findet es nicht anständig, wenn ein Konservativer sich durch die Antikartell-Mehrheit zum Präsidenten wählen läßt. Als ob dies nicht regelmäßig von 1881 bis 1887 passirt ist. Sie will durchaus einen klerikalen Präsidenten, einen deutschfreisinnigen ersten und einen sozialdemokratischen zweiten Vizepräsidenten haben.

Man lasse ihr das Vergnügen. Allerdings ist es wahrscheinlich, daß das Centrum die stärkste Reichstagsfraktion bleibt — und die bis jetzt zweitstärkste Fraktion, die der Nationalliberalen, sich so sehr verkrümelt, daß nicht blos die Deutschkonservativen und die Deutschfreisinnigen, sondern vielleicht auch die Sozialdemokraten zu einem stärkeren Bestand gelangen. Es thut uns leid — aber es ist so.

Die Liebhaberei der offiziösen Presse für die Mittelparteien ist damit zu Ende. Da es den Freikonservativen bei den Wahlen ähnlich schlecht ergeht, so haben die Mittelparteien — nichts mehr zu bieten, und damit scheiden sie aus aller Berechnung des Kanzlers vorläufig aus.

Aber über alle die Wahlunruhe, die erst nach Beendigung der Stichwahlen sich legen wird, ist die “Kanzlerkrisis” ganz in den Hintergrund getreten. Vor acht Tagen schrieben wir: “Fallen die Wahlen nach unserm Wunsch aus, so wird der Kanzler dadurch zunächst von jedem Gedanken an den Abschied zurückgebracht. Es wird ihm zu Mute sein, wie einem alten Soldaten, wenn die Kriegstrompete erschallt.”

Gestern brachten die “Hamburger Nachrichten” eine ohne allen Zweifel aus der Umgebung des Kanzlers herrührende Nachricht in auffälligem Drucke, die mit einigen Verdeutschungen nach der “Vossischen Zeitung” dahin lautet:

Wie aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist die Frage des Austritts des Fürsten Bismarck aus dem preußischen Staatsministerium, beziehungsweise aus seiner Stellung als Reichskanzler, zwar erörtert , ihre Entscheidung vorläufig aber vertagt worden. Mit Rücksicht auf den Ausfall der Wahlen hat der Reichskanzler seine Entschließung wegen des Rücktritts von den Geschäften hinausgeschoben.

Hier ist mit dürren Worten eingeräumt, daß der Fürst Bismarck in Wahrheit nicht blos aus dem preußischen Ministerium ausscheiden, sondern auch das Amt des Kanzlers niederzulegen gedachte, “die Frage” wurde “erörtert” — aber die Entscheidung “vertagt mit Rücksicht auf den Ausfall der Wahlen”.

Bis zum Ausgang der “Kanzlerkrisis”, der auf unbestimmte Zeit vertagten Frage, werden wir in Muße erörtern können, was nach dem dermaleinstigen Rücktritt des Reichskanzlers zu thun ist.

Der Kanzler würde, wenn er fünfzehn Jahre jünger wäre, mit der künftigen Reichstagsmehrheit vortrefflich auszukommen wissen. Aber im Bewußtsein dessen, was er der Nation geleistet hat, wird er sich in eine Volksvertretung, die in wichtigen Grundfragen der inneren Politik andere Anschauungen hat, als er, schwer hineinfinden. Und der Reichstag bleibt nunmehr fünf Jahre — wenn er nicht aufgelöst wird. Ein aus einer Auflösung hervorgegangener Reichstag aber, der in noch oppositioneller Zusammensetzung wiederkehrt, ist vor nochmaliger Auflösung um so gesicherter, je länger die Wahlperiode dauert. Sein Einfluß wächst; selbst die notwendige Umkehr von einer verkehrten Wirtschaftspolitik würde er schließlich erzwingen können.

Siehe auch:

Veröffentlicht unter 1890, Deutsch-Freisinnige Partei, Deutschland, Geschichte, Konservative, Nationalliberale, Reichsfreund, Sozialdemokratie, Wahlen, Zentrumspartei | Hinterlasse einen Kommentar

Im Klub der Vertieften

von Alexander Moszkowski, 1912

Baron Mucki: Ja, ’s is so! Das Familienleben geht mir über alles! Familienleben is überhaupt die Hauptsache! Fragen Sie nur den Oldenburg-Januschau. Herrjott, is schon wieder drei Uhr früh! ich meine: erst drei Uhr früh. Das is ’ne Zeit, mit der der Mensch prinzipiell nischt anfangen kann. Fürs Moulin Rouge is es schon zu spät und fürs Nachhausegehen is es noch zu früh. Also wie jesagt, das Familienleben.

Graf Gucki: Janz meine Ansicht, das heißt mit Präzisierung. So’n freisinniges, proletenhaftes Familienleben is für die Katze. Auf das staatserhaltende konservative Familienleben kommt es an. Auf jenes kernfeste, deutsche, an der würzigen Scholle hängende Familienleben, wie es sich seit dem sechzehnten Jahrhundert in Preußen durch Grundbesitz, Fideikommiß und Erbrecht entwickelt hat. Also wie gesagt, auf das vertiefte Familienleben. Jean, stellixn Sie mir noch ’ne Pommery kalt!

Freiherr Nicki: Undda kommt dieser verdammter Racker von Staat und will miterben! eine schlimmere Verwüstung des von uns so glücklich und nachdrücklich vertieften Familiensinnes ist doch gar nicht denkbar! Der Staat kann überhaupt, — na ich will gar nicht sagen, wo er mir rutschen kann. Prost Gucki!

Graf Gucki: Der Deibel soll den Staat holen! das wünsch’ ich ihm aus der Tiefe meines staatserhaltenden Bewußtseins heraus. In meinem altpreußischen Gemüt kocht es wie im Vesuv. Es lärmt und ächzt, es stöhnt und brüllt: wer kann mir bis acht Tage fünftausend Mark pumpen?

Baron Mucki: Na ich nich, bei fünfundzwanzig Prozent Zuschlag zur Einkommensteuer, wo man kaum noch aufs trockene Brot den Kaviar erschwingen kann.

Graf Gucki: Ich denke, Sie sind bald so weit mit Ihrer Erbtante Rosaura, — ist denn das alte Aas immer noch nicht verreckt?

Baron Mucki: Kein Bein! seit sechs Monaten vertiefen wir alle zu Hause unseren Familiensinn, indem wir auf ihren Tod warten; förmlich mit der Uhr in der Hand! Na und wennschon? Wer erbt nachher? wir oder der Finanzminister? sind ja ganz unklare Verhältnisse, die den Familiensinn total abstumpfen. Wer soll trauern, wenn einem die Erbschaft vor der Nase fiskalisiert wird? Einfach schauderös! Bei solcher grauenhaften Gesetzgebung, muß ich sagen, macht einem schon der Tod der nächsten Anverwandten keinen Spaß mehr! Jean mischen Sie mir mal ’n 1811 er Kognak mit ’n Benediktiner und ’n Gelbei drauf, ich muß meinen Ekel über diese hundföttischen, familienzersetzenden Zustände runterspülen!

Graf Gucki: Na wie wär’s noch mit ’nem kleinen Bakkarat oder sonst so ’n Fröbelschen Kinderspiel?

Baron Mucki: Hat ja gar keinen Sinn, so ausgepowert wie man is! Hab’ schon genug Ehrenwörter verspielt! Erstens stirbt se nich, und zweitens, wenn se schon stirbt, erbt man nich mal so viel, daß man seine Spielschulden bezahlen kann. Staat erbt, gräßliche Flotte erbt. Komme mir gerade in meinen heiligsten Gefühlen entwurzelt vor. Jean, Auto! Wollen noch ’n bißchen nach Riche rüberfahren und mit ’n paar edelgestimmten Hetären über verlorenes Familienglück seufzen!

Siehe auch:

Veröffentlicht unter 1912, Alexander Moszkowski, Konservative, Satire | Hinterlasse einen Kommentar

“Der Sozialdemokrat ist nur ein Symptom, der Freisinnige ist die Ursache unserer sozialen Krankheit.”

Berliner Gerichtszeitung, 27. Februar 1890

Von Nah und Fern. — Nach der amtlichen Feststellung des Wahlergebnisses sind am 20. Februar gewählt worden 21 Freisinnige, 16 Nationalliberale, 54 Konservative, 89 Centrumsmänner, 14 Freiconservative, 20 Sozialdemokraten, 2 Elsässer, 2 Welfen, 1 Däne, 14 Polen, 2 Mitglieder der süddeutschen Volkspartei und 2 Antisemiten. Es bleiben also noch mehr als 150 Stichwahlen zu erledigen, deren Ergebnis zum Teil von der Entschließung der Parteien abhängt, die für eigene Kandidaten in den streitigen Wahlkreisen nicht mehr stimmen, oder durch Stimmenthaltung oder durch Parteiwahlen für eine der beiden Stichwahl-Kandidaturen den Ausschlag geben können. Aus dieser Sachlage ergiebt sich die Notwendigkeit einer Vorverständigung, zu der die freisinnige Partei der Sozialdemokratie gegenüber auch bereit gewesen wäre, wenn die Kartellparteien zu ehrlicher Gegenseitigkeit sich entschlossen hätten. Aber die Nationalliberalen verlangten, ohne sich selbst zu verpflichten, einfach Heeresfolge, und die Kreuzzeitungspartei obschon ihr Kandidat in Breslau von dem dort getroffenen Abkommen den ausschließlichen Vorteil hat, will nicht einmal dulden, daß im zweiten Berliner Wahlkreis der Beschluß des Kartellvorstandes zu Gunsten Virchows zur Durchführung gelange. Den konservativen Wählern ist Stimmenthaltung zur Pflicht gemacht, um den Sieg des Sozialdemokraten über seinen freisinnigen Mitbewerber zu sichern. Nach dieser Parole wird die Kreuzzeitungspartei voraussichtlich in allen Wahlkreisen handeln, in denen die Sozialdemokratie mit dem Freisinn in Stichwahlen steht. Ihr leitendes Organ sagt wörtlich: “Der Sozialdemokrat ist nur ein Symptom, der Freisinnige ist die Ursache unserer sozialen Krankheit. So wird es vor allem die Pflicht der Vaterlandsfreunde sein, den sogenannten “Freisinn”, die Wurzel alles Uebels auszutilgen, den Urian unserer sozialen Mißstände zu schlagen, und ihn sollen wir gar zu den Ordnungsparteien rechnen, ihm unsere Stimme zuführen? Für die Hochkirchler der “Kreuzzeitung” sind auch die Nationalliberalen nicht zünftig, dagegen kommen sie jetzt auf ihre alte Liebe für die konservative Garde der “treuen Schwesterkirche” zurück. Der “Reichsbote” bemerkt: “Dem Anwachsen der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstag können wir, da die Konservativen und das Centrum in der Lage sein werden, allen verderblichen Anträgen und Abstimmungen entgegenzutreten, kalten und ruhigen Blutes entgegensehen. Hier ist auch nichts anderes zu machen, als daß nun die Konservativen und die mit ihnen zusammengehenden Parteien sich zu einem verständigen Vorgehen vereinigen.” Die Nationalliberalen ihrerseits befinden sich schon unter dem Vorschatten des “konservativ-klerikalen” Bündnisses. Nur dadurch wird die Aufregung erklärlich, die sich unter ihnen in der Dienstagssitzung des Abgeordnetenhauses kundgab, als der Abgeordnete Windthorst die Notwendigkeit betonte, den soziademokratischen Bestrebungen nicht mit Zwangsmaßregeln, sondern auf dem Wege entgegenzutreten, der allerdings in der offiziösen Presse auffälligerweise noch wenig Würdigung gefunden habe. In diesen Ausführungen wurde der kluge Führer des Centrums durch Ruf “Solingen!” unterbrochen, mit dem der nationalliberale Abgeordnete v. Eynern, der eifrigste Kulturkämpfer des Rheinlandes, ausdrücken wollte, daß die Centrumspartei durch Ablehnung eines Kompromiß-Kandidaten, als welcher der Landesdirektor Klein in Vorschlag gebracht worden war, den Sieg des sozialdemokratischen Bewerbers verschuldet habe. Der Abgeordnete Bachem bezeichnete den Kompromißvorschlag als den Versuch der “bankerotten” nationalliberalen Partei, ihre eigene Schwäche hinter dem Centrum zu verstecken. Dabei kam der schlagfertige Centrumsmann auf die Vorgänge bei den Wahlen von 1884 zurück, wo in Magdeburg, Hannover und in anderen Orten die Sozialdemokratie nur der Beihilfe durch die Nationalliberalen ihre Wahlsiege zu danken hatte. Redner erwähnte dabei eines Briefwechsels zwischen dem Abgeordnten Sattler und einem Führer der Nationalliberalen zu Köln, der durch Namensverwechselung zu seiner Kenntnis gekommen war und die Bemühungen um ein Bündnis mit der Sozialdemokratie außer Zweifel stellt. Diese Enthüllungen, die angesichts der bevorstehenden Stichwahlen doppelt unangenehm waren, entfesselten in den Reichen der Nationalliberalen einen unbeschreiblichen Entrüstungssturm. Doch die drohenden und beleidigenden Zurufe, in denen namentlich der Abgeordnete v. Cuny sich eine Führerrolle anmaßte, verstärkten nur den Eindruck, daß die nationalliberale Partei auf ihrer abschüssigen Bahn sich befindet, auf der sie ohne Halt nach rechts oder links auf das Niveau der erklärten Machtlosigkeit hinabgleiten wird.

Siehe auch:

Veröffentlicht unter 1890, Demokraten, Deutsch-Freisinnige Partei, Deutschland, Geschichte, Konservative, Nationalliberale, Sozialdemokratie, Wahlen | Hinterlasse einen Kommentar

Als die deutsche Masseneinwanderung Amerika bedrohte

Von Benjamin Franklin stammt das schöne Wort: „Bier ist der Beweis, daß Gott uns liebt und will, daß wir glücklich sind.“ Man könnte von daher meinen, daß der Gründervater sich über den Zuzug von Deutschen und die Belebung der amerikanischen Trinkkultur ganz besonders gefreut hätte.

Das war aber nicht der Fall. Im Gegenteil reagierte Franklin mit großer Sorge auf die deutschen Einwanderer und bemühte dabei fast jedes Argument, das auch heute gegenüber Einwanderern gebräuchlich ist. Interessanterweise geschah dies alles nicht aus reiner Unkenntnis. 1732 hatte Benjamin Franklin sogar die erste deutschsprachige Zeitung Amerikas, die „Philadelphische Zeitung“, begründet, welche allerdings bald wieder einging. 1766 hielt er sich zu einem Besuch in Deutschland auf. Und später 1785 war er an den Verhandlungen über den Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Preußen und den USA beteiligt.

Doch die deutschen Einwanderer waren ihm nicht geheuer. In einem Pamphlet, das er 1751 verfaßte und das 1755 veröffentlicht wurde, beklagte er die Überschwemmung seines Heimatstaats Pennsylvanien durch ungehobelte Deutsche:

Und da Haufen von Engländer aus Britannien, wenn sie nach Amerika gesandt werden, zuhause so bald ersetzt werden und hier so stark anwachsen, warum sollten wir dulden, daß pfälzische Rüpel in unsere Siedlungen schwärmen und, indem sie sich zusammendrängen, ihre Sprache und Verhaltensweisen etablieren bei Ausschluß unserer? Warum sollte Pennsylvanien, begründet von Engländern, eine Kolonie von Fremden werden, die bald so zahlreich sind, daß sie uns zu Deutschen machen, anstatt wir sie zu Engländern, und die niemals unsere Sprache und Verhaltensweisen irgendwie eher annehmen werden als unsere Hautfarbe.

Warum Hautfarbe? Weil Benjamin Franklin festgestellt hatte, daß die Deutschen keine Weißen waren, sondern eine dunklere Hautfarbe hatten. Von dieser Diagnose nahm er nur die Sachsen aus, wobei damit die heutigen Niedersachsen oder allgemeiner die Norddeutschen gemeint waren, die nach Ansicht von Franklin, den Engländern am nächsten stünden:

Was mich dazu bringt, eine Bemerkung hinzuzufügen: Daß die Zahl der reinen Weißen in der Welt verhältnismäßig gering ist. Ganz Afrika ist schwarz oder gelblich braun [tawny]. Asien ist gelblich braun. Amerika (außer die neu Kommenden) ist ganz so. Und in Europa sind die Spanier, Italiener, Franzosen, Russen und Schweden im Allgemeinen von einer Hautfarbe, die wir olivfarben [swarthy] nennen, genauso wie auch die Deutschen, ausgenommen die Sachsen, die zusammen mit den Engländern den Hauptteil der Weißen auf der Erde ausmachen. Ich wünschte, ihre Zahl würde vermehrt. Und während wir, wie ich es nennen möchte, unseren Planeten reinigen, indem wir die Wälder Amerikas abholzen und so unsere Seite der Erdkugel dazu bringen, ein helleres Licht zu den Augen der Bewohner von Mars und Venus zurückzuwerfen, warum sollten wir beim Anblick überlegener Wesen unser Volk verdunkeln? Warum die Söhne Afrikas vermehren, indem wir sie in Amerika ansetzen, wo wir gute Gelegenheit haben, unser schönes Weiß und Rot zu vermehren, indem wir Schwarze und gelblich Braune ausschließen?

Allerdings reflektierte er schließlich doch ein wenig, ob er nicht parteiisch sein könnte:

Aber vielleicht bin ich voreingenommen für die Hautfarbe unseres Landes, denn eine solche Voreingenommenheit ist für die Menschheit natürlich.

In einem Brief am 9. Mai 1753 an Peter Collinson schüttete Benjamin Franklin dann erneut sein Herz aus, was mit den Deutschen falsch lief. Nur die Dümmsten wanderten ein und dazu seien sie auch noch bar jeder Bildung:

Ich stimme vollkommen mit Ihnen überein, daß Maßnahmen von großer Bedachtsamkeit mit den Deutschen notwendig sind, und bin nicht ohne Sorgen, daß große Unordnung und Unbequemlichkeit eines Tages durch ihre Unbesonnenheit, unsere oder die beider Seiten unter uns entstehen könnten. Diejenigen, die hierher kommen, sind im Allgemeinen die unwissendste und dümmste Art ihres eigenen Volkes.

Sie lernten nicht die Landessprache und bildeten eine Parallelgesellschaft mit unmöglichen Verhaltensweisen:

Und da Unwissenheit oft von Leichtgläubigkeit begleitet ist, wenn Gaunerei sie in die Irre führt, und von Mißtrauen, wenn Ehrlichkeit sie berichtigen möchte, und weil wenige der Engländer die deutsche Sprache verstehen und sie weder durch die Presse noch durch die Kanzel angesprechen können, ist es beinahe unmöglich, irgendwelche ihrer Vorurteile zu beseitigen, die sie einmal unterhalten. Ihre eigene Geistlichkeit hat sehr wenig Einfluß auf das Volk, das eine ungewöhnliche Freude daran hat, den Pfarrer zu schmähen und bei jeder belanglosen Gelegenheit zu entlassen.

Auch die Werte der Leitkultur seien ihnen fremd:

Da sie nicht an Freiheit gewöhnt sind, wissen sie nicht, wie man einen bescheidenen Gebrauch von ihr macht. Und wie Kolben von den jungen Hottentotten sagt, daß sie nicht als Männer geachtet werden, bis sie ihre Männlichkeit bewiesen haben, indem sie ihre Mutter geschlagen haben, so scheinen sie sich selbst nicht für frei zu halten, bis sie ihre Freiheit dabei fühlen, ihre Lehrer zu schmähen und zu beleidigen. So stehen sie unter keiner Zügelung durch die kirchliche Herrschaft.

Mittlerweile arbeiten sie auch daran, das Land politisch zu übernehmen:

Sie verhalten sich jedoch zurzeit hinreichend unterwürfig gegen den Staat, was sie nach meinem Wunsch weiter tun sollten; denn ich erinnere mich, wie sie bescheiden ablehnten, sich in unsere Wahlen einzumischen. Aber nun kommen sie in Scharen und schleppen alle vor sich her außer in einem oder zwei Bezirken.

Die Integration scheitere an ihrem beharrlichen Festhalten an der deutschen Kultur:

Wenige ihrer Kinder im Land lernen Englisch. Sie führen viele Bücher aus Deutschland ein, und von den sechs Druckereien in der Provinz sind zwei völlig deutsch, zwei halb deutsch, halb englisch und nur zwei völlig englisch. Sie haben eine deutsche Zeitung und eine halb deutsche. Anzeigen, die sich an die Allgemeinheit wenden, werden jetzt auf Deutsch und Englisch gedruckt. Die Straßenzeichen sind in beiden Sprachen beschriftet und an manchen Orten nur in Deutsch. Sie haben unlängst angefangen, alle ihre Verträge und rechtlichen Schriften in ihrer eigenen Sprache zu verfassen, welche (auch wenn ich denke, daß es nicht so sein sollte) von den Gerichten zugelassen werden, wo das Geschäft der Deutschen so zunimmt, daß es einen beständigen Bedarf an Dolmetschern gibt. Und ich nehme an, daß sie in einigen Jahren auch im Parlament notwendig sein werden, um der einen Hälfte der Abgeordneten zu sagen, was die andere Hälfte sagt.

Die Übernahme des Landes durch die Deutschen sei bei ihrer Masseneinwanderung nur eine Frage der Zeit:

Kurzum werden sie uns, wenn der Strom der Einwanderung nicht von dieser in andere Kolonien umgelenkt werden kann, wie Sie sehr sorgsam vorschlagen, bald so an Zahlen übertreffen, daß alle die Vorteile, die wir haben, nach meiner Ansicht nicht unsere Sprache erhalten können werden und sogar unser Staat in eine bedenkliche Lage kommt.

Außerdem seien sie die fünfte Kolonne europäischer Mächte:

Die Franzosen, die ihre Vorteile auf jede Weise beobachten, schaffen eine Ansiedlung von Deutschen hinter uns in Illinois. Und mithilfe jener Deutschen könnten sie beizeiten zu einer Verständigung mit unseren Deutschen kommen. Und tatsächlich zeigten unsere Deutschen beim letzten Krieg eine allgemeine Neigung, die uns nichts Gutes verheißt; denn als die Engländer, die keine Quäker waren, durch die Gefahr allarmiert waren, die vom ungeschützten Zustand unseres Landes herrührte, und nachdem sie einmütig in eine Verbindung innerhalb dieses Staates und mit den unteren Ländern eingetreten waren, und fast zehntausend Mann, bewaffnet und diszipliniert, aushoben, weigerten sich die Deutschen bis auf sehr wenige im Verhältnis zu ihrer Anzahl, sich dabei zu engagieren, indem sie untereinander die Parole ausgaben, ja sogar in gedruckter Form, daß, wenn sie ruhig wären, falls die Franzosen das Land einnähmen, diese sie nicht belästigen würden. Zur gleichen Zeit schmähten sie die Einwohner von Philadelphia dafür, daß sie Kaperschiffe gegen den Feind ausrüsteten, und stellten die Mühe, das Risiko und die Kosten, die Provinz zu verteidigen, als eine größere Unbequemlichkeit hin als irgendeine, die von einem Wechsel des Staates zu erwarten wäre.

Immerhin mäßigte Benjamin Franklin dann sein Urteil und seine Forderungen doch etwas, wobei er aber doch auf die vielen Kriminellen unter den deutschen Einwanderern hinwies:

Dennoch bin nicht dafür, ihnen vollkommen den Zugang zu unseren Kolonien zu verweigern. Alles, was notwendig erscheint, ist, daß man sie gleichmäßiger verteilt, mit den Engländern mischt und englische Schulen errichtet, wo sie zu stark siedeln, und einige Sorge dafür trägt, den Brauch zu unterbinden, auf den in der letzten Zeit einige Schiffseigner verfallen sind, die deutschen Gefängnisse auszuräumen, um die Anzahl der Passagiere zu erhöhen. Ich sage, daß ich nicht gegen die Zulassung von Deutschen im Allgemeinen bin; denn sie haben ihre Tugenden. Ihr Fleiß und ihre Sparsamkeit sind vorbildlich. Sie sind hervorragende Landwirte und tragen sehr zur Verbesserung des Landes bei.

Nunja, das letzte Vierteljahrtausend hat Benjamin Franklin nicht eben recht gegeben. All seine Befürchtungen stellten sich ziemlich gegenstandslos heraus. Auf anderem Gebiet hatte der Gründervater denn auch wirklich eine bessere Hand, Blitzableiter zu finden.

Deshalb Prost, Benjamin, mit einem schönen Bier, egal ob deutsch oder amerikanisch gebraut!

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Deutsche freisinnige Partei!

Der Reichsfreund, 27. Februar 1890

Parteigenossen! 21 freisinnige Abgeordnete sind gewählt und noch 60 freisinnige Kandidaten befinden sich in Stichwahl. Es ist hiernach begründete Aussicht vorhanden, die freisinnige Partei im Reichstage zu verdoppeln, wenn überall bei den Stichwahlen kräftig vorgegangen wird. Aber in vielen neuen Wahlkreisen sind die Geldmittel erschöpft und unser Centralwahlfonds ist nach der Ausdehnung, welche die Wahlbewegung genommen, außer Stande, überall zureichende Unterstützung zu gewähren. Deshalb bitten wir alle Freunde dringend, sofort Beiträge zu unserem Centralwahlfonds an den Schatzmeister desselben, Herrn Abgeordneten Hugo Hermes, Berlin C., Neue Promenade 3, oder an Herrn Hugo Hinze, Berlin W., Potsdamerstr. 136/137, einsenden zu wollen. Quittung erfolgt durch die “Parlamentarische Korrespondenz”, auf Wunsch unter Chiffre.

Geschäftsführender Ausschuß der deutschen freisinnigen Partei.

Theodor Barth. Hugo Hermes. Ludolf Parisius.
Eugen Richter. Rickert. Schrader.

Die Expedition der “Freisinnigen Zeitung”, Berlin SW., Zimmerstraße 8, ist bereit, Geldbeiträge für den Centralwahlfonds der freisinnigen Partei entgegenzunehmen. Quittung erfolgt durch den Briefkasten, auf Wunsch auch unter Chiffre.

Siehe auch:

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Links der Woche

Aufgrund von privaten Entwicklungen haben sich die “Links der Woche” etwas verschoben. Wir ziehen das langsam wieder grade. Aktuelle Links gibt es fortlaufend auf unserer Facebook-Seite. Hier eine Auswahl der aus unserer Sicht interessantesten (fett die engere Auswahl):

  1. Daniel Bier beim Skeptical Libertarian: “What’s the Harm”: The Body Count of Pseudoscience – BESTER ARTIKEL DER WOCHE
  2. Scott Sumner bei EconLog: Are ZMP workers uneducated or unmotivated?
  3. Die ZEIT: Deutlich mehr Abschiebungen in Deutschland
  4. Vipul Naik bei Open Borders: Helping North Korean refugees: an evaluation
  5. Thomas Straubhaar bei der WELT: Die realitätsferne Angst vor Armutszuwanderung
  6. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: A bit more on Bitcoin-based innovation
  7. Peter Suderman bei Reason: Anti-Biotech Opposition to Golden Rice Has Cost 1.4 Million ‘Life Years’ in India Alone. Will Anyone Be Held Accountable?
  8. Daniel Fallenstein bei den Ruhrbaronen: “Geschlossene Grenzen treffen besonders die Ärmsten der Welt”
  9. David Friedman bei Ideas: Why Did Putin Invade the Crimea?
  10. Angus Deaton bei VoxEU: The great escape from death and deprivation
  11. Chris Gayomali bei FastCompany: Alleged Bitcoin Inventor Dorian Satoshi Nakamoto: “My Prospects Harmed Because Of Newsweek’s Article”
  12. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Jeff Bezos, The Washington Post, and his plan to take over the media world (speculative)
  13. Peter Boone und Simon Johnson bei Economix: The Economics of Limiting Russia’s Expansion
  14. Vipul Naik bei Open Borders: Nepal and India: an open borders case study
  15. Jorge Arprin bei arprin: Bitte keine Wehrpflicht
  16. Vipul Naik bei Open Borders: Citizenism: how do we deal with it?
  17. Eamonn Butler beim Adam Smith Institute: At last Britain’s private pension savers will be treated like responsible adults
  18. Roger Pielke bei 538: Disasters Cost More Than Ever — But Not Because of Climate Change
  19. Bryan Caplan bei EconLog: A Curiously Uncurious Interview: The Nation, Unz, the Minimum Wage, and Immigration
  20. FastCompany: Maps Of Countries Made From Their Regional Foods
  21. Matthew Feeney bei Reason: Free Speech Not So Free on BBC Free Speech Show
  22. Hein de Haas auf seinem Blog: Dutch racism
  23. Carl Bialik bei 538: A Suspicious Immigration Statistic
  24. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Modeling Vladimir Putin
  25. Fast Company: Google Just Revealed The First Decent Smartwatch Interface
  26. Bryan Caplan bei EconLog: Would (Our) Open Borders Lead to (Their) Closed Borders?
  27. Dorothy Kronick: Why Only Half of Venezuelans Are in the Streets
  28. Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: Tesla versus the Rent Seekers
  29. Tobias Bayer beim Hamburger Abendblatt: Italien fürchtet um seine Lebensader zur Schweiz
  30. Daniel Fallenstein beim antibürokratieteam: #ESFLC14: Ein subjektiver Erfahrungsbericht.
  31. Jeffrey Miron bei Cato at Liberty: Private Funding of Science?
  32. Jason Brennan bei den BleedingHeartLibertarians: In Praise of Open Borders
  33. Zenon Evans bei Reason: Reported Blockade in Eastern Ukraine, Russian State TV Suggests Nuking US
  34. Daniel Bier beim Skeptical Libertarian: Want to see the future? Open borders, siehe auch Fergus Hodgson bei The Canal: Open Borders Day: For Humanity and Beauty und Euvoluntary Exchange: A Very Euvoluntary Open Borders Day
  35. Die WELT: Auf den Stimmzetteln ist kein Platz für Nein-Stimmen
  36. James Schneider bei EconLog: The Popularity of Silly Methods
  37. Jorge Arprin bei Offene Grenzen: Offene Grenzen und das Hausrecht
  38. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Crimea through a game theory lens
  39. K. William Watson bei Cato at Liberty: Let’s Try Anti-Sanctions
  40. Nick Gillespie bei Reason: After Deporting Record Number of Immigrants, Obama Rethinking Policy About Deporting Record Number of Immigrants.
  41. Micha Brumlik bei der taz: Sprung in die Irre
  42. n-tv: Erneuter Flüchtlingsstrom trifft auf Melilla
  43. David Harsanyi bei Reason: Don’t Blame Putin; Blame Russia
  44. Ilya Somin bei der Volokh Conspiracy: Open Borders Day, siehe auch Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: Open Borders Day!, Clemens Schneider bei INSMBlog: Offene Grenzen – für eine bessere Welt und beim antibürokratieteam: Tear down this wall!
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Auswanderungsschwindel

Berliner Gerichtszeitung, 25. Februar 1890

— Auswanderungsschwindel. Aus Hinterpommern schreibt man über die dort betriebene Auswanderungsagitation der “Nordd. Allg. Ztg.”: Die Leute brechen ohne weiteres ihre Kontrakte und halten sich dazu sogar für berechtigt. Man hat ihnen vorerzählt, daß der Kaiser die Auswanderung nach Brasilien wünsche, ihnen deutsche Kaiserliche Schiffe zur Fahrt nach Brasilien zur Verfügung stellen, und ihre Söhne, welche augenblicklich im stehenden Heere dienen, sofort entlassen werde, damit sie in Brasilien wieder in die dort aus Deutschen neu zu bildende Armee eintreten können. Von der Richtigkeit dieser und mehrerer anderer absurden Lügen sind die Leute so durchdrungen, daß jede vernünftige Auseinandersetzung des Sachverhalts in den allermeisten Fällen sie in ihrem Glauben nur noch mehr bestärkt. Wenn man sie fragt, wie sie dergleichen Zeug glauben könnten, antworten sie: “Die Herren wollen uns hier behalten, damit wir für sie arbeiten; in Brasilien spielen wir auch die Herren, gehen auf die Jagd und schießen das Wild; hier müssen wir höchstens Treiber spielen.” — Einem Arbeiter wurde das Vergehen, welches in einem Kontraktbruch besteht, vorgehalten, worauf derselbe antwortete: “Wenn wir auf den Kaiserlichen Freischiffen nach Brasilien hinübergeschickt werden, dann wird ein anderer doch wohl nichts gegen unsere Auswanderung einzuwenden haben.” Auf einzelnen Gütern sind sämtliche Arbeiter entschlossen, die Arbeit einzustellen und auszuwandern. Sie benehmen sich so frech, daß verschiedene Besitzer sich schon genötigt gesehen haben, den Landrat um Schutz für ihre Person zu ersuchen.

Anmerkung

Das Gerücht, das hier kursiert, ist zwar falsch, aber auch nicht ganz so abwegig, wie man vermuten könnte. Es wird von konservativer Seite durchaus überlegt, die Auswandererströme von Nord- nach Südamerika zu lenken, um dort dann deutsche Kolonien zu bilden und Einfluß auf die Länder zu gewinnen. Zudem ist auch nicht auszuschließen, daß hier Beobachtungen übertrieben werden, um Auswanderer als verführt darzustellen — die Quelle der Nachricht ist nicht zuletzt die offiziöse “Norddeutsche Allgemeine Zeitung”. Den Gutsbesitzern laufen ja tatsächlich in Massen die Arbeiter weg aufgrund schlechter Löhne und Behandlung. Viele ziehen in die Städte, wo man wesentlich mehr als Arbeiter verdienen kann und auch unabhängiger ist. Andere zieht es in die neue Welt. Auch hier gibt es in der Zeit Initiativen von konservativer Seite, die Vermittlung durch Auswanderungsagenten zu behindern und zu unterbinden. Die von den Liberalen in den 1860er Jahren durchgesetzte Freizügigkeit kann man aber nicht beseitigen, auch wenn das die Zielrichtung ist.

Siehe auch:

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Im Zweifel für offene Grenzen

Man kann offene Grenzen vertreten als ein unbedingtes Prinzip: In jedem Fall und unter allen Umständen sollten Grenzen offen sein. Wer das tut, hat den Vorteil, daß er sich niemals um den einzelnen Fall und seine Umstände kümmern muß, sondern von vornherein weiß, wie er jede Situation zu beurteilen hat.

Allerdings hat das einen Nachteil: Man muß dann auch konsequenterweise in jedem nur denkbaren Fall für offene Grenzen eintreten, auch dann, wenn es einem selbst vielleicht intuitiv nicht so zwingend erscheinen mag. Auf Englisch würde man sagen: You have to bite the bullet.

Dies ist die Stelle, an der viele Einwände gegen offene Grenzen ansetzen. Schon fast reflektorisch versuchen Gegner offener Grenzen extreme Fälle zu konstruieren, die die Forderung nach offenen Grenzen ad absurdum führen sollen. Um das Muster solcher Einwände selbst zu übertreiben, sei folgender Fall angenommen:

Eine stark ansteckende Krankheit befällt eine mit Massenvernichtungsmitteln bewaffnete Armee, deren Soldaten bereits vorher als ihr höchstes Ziel angesehen haben, die Bewohner eines Landes auszulöschen. Die Krankheit verwandelt die Soldaten in Zombies, die nun unter allen Umständen ihr Ziel umsetzen wollen und das auch ganz offen vertreten.

Darf man diesen Menschen den Zugang zu dem Land verweigern und dies auch mit Zwang durchsetzen?

Der Anhänger eines unbedingten Prinzips muß hier, ohne zu zucken, sofort sagen, daß er das ablehnt. Die allermeisten würden hingegen in diesem Fall wohl dazu neigen, offene Grenzen nicht gelten zu lassen. Die Forderung nach offenen Grenzen erscheint für Gegner, aber auch viele, die kein absolutes Prinzip anerkennen möchte, somit als absurde Prinzipienreiterei. Und der Gegner von offenen Grenzen meint, damit den entscheidenden Sieg davongetragen zu haben.

Eine Möglichkeit zu antworten, ohne ein unbedingtes Prinzip aufzugeben, wäre es, darauf zu verweisen, daß der konstruierte Fall gar nicht auftreten kann. Im obigen Fall waren die Annahmen tatsächlich so bizarr, daß sich das leicht argumentieren läßt. Aber wer im Prinzip auf offenen Grenzen besteht, muß auch prinzipiell jede Möglichkeit zulassen. Und dann kann man den Fall so weit abschwächen, daß sich die schiere Unmöglichkeit nicht mehr so leicht vertreten läßt. Einige nicht unübliche Varianten wären dabei etwa diese:

  • Was wäre denn, wenn jemand eine extrem ansteckende und tödliche Krankheit hätte?
  • Was wäre, wenn er mit Massenvernichtungsmitteln in das Land will?
  • Was wäre, wenn er erklärtermaßen die Vernichtung der Einwohner in dem Land vorhat?
  • Was wäre, wenn er Teil einer Okkupationsarmee, Terrorgruppe oder Bande ist, die gegen die Bevölkerung des Landes mit Gewalt vorgehen will?

Natürlich kann man dazu anmerken, daß solche Fälle selten sind. Aber zu argumentieren, daß sie niemals vorkommen können, ist wohl schwer. Und wird der Anhänger eines unbedingten Prinzips dann immer noch für offene Grenzen eintreten? Wohl vielen anderen würde das intuitiv so gegen den Strich gehen, daß sie dies für eine reductio ad absurdum von offenen Grenzen hielten.

Ist damit der Fall für offene Grenzen erledigt?

Nur wenn man davon ausgeht, daß es keine Ausnahmen unter irgendwelchen Umständen geben darf, unter denen offene Grenzen nicht gelten könnten. Was der Gegner von offenen Grenzen bis hierhin gezeigt hat, ist nämlich nur, daß man vielleicht gewisse Ausnahmen zugestehen muß.

Der Normalfall von Einwanderung ist aber eben nicht die atomwaffenschwingende Zombiearmee (außer vielleicht in der überspannten Rhetorik einiger extremer Grenzschützer). Der Normalfall ist ein Einwanderer, der nichts Schlimmeres vorhat, als für sich und seine Familie seine Lage zu verbessern, sei es in Freiheit zu leben oder seinen Wohlstand zu mehren, und der keinerlei Absichten hegt, gegen die Bevölkerung des Landes mit Gewalt oder auf andere unrechte Weise vorzugehen. Was hat denn der Gegner von offenen Grenzen für diesen mit den extremen Beispielen bewiesen?

Eigentlich gar nichts. Daß es in extremen Fällen Ausnahmen von offenen Grenzen geben könnte, beweist doch nicht, daß das auch im Normalfall so sein müßte. Warum sollte denn dem Einwanderer, der sein Leben verbessern will, ohne etwas Unrechtes vorzuhaben, unterstellt werden, daß er sich in einer Klasse mit den auf Ausrottung bedachten Soldaten einer Zombiearmee befindet und gerade so behandelt werden dürfte?

Von daher scheint folgende Position für offene Grenzen wesentlich besser im Einklang mit den moralischen Intuitionen vieler Menschen auf beiden Seiten der Frage zu sein:

Im Zweifelsfall sollten Grenzen offen sein. Ausnahmen sind nur zulässig in wohlbegründeten Fällen. Es gilt ein starker Vorbehalt für offene Grenzen. Die Regel sind offene Grenzen, die Ausnahme sind geschlossene Grenzen.

Der Nachteil mag an einer solchen Position sein, daß man sich auf Detaildiskussionen einlassen muß, was denn wohlbegründete Fälle sind, in denen offene Grenzen nicht gelten würden. Grundsätzlich wäre es sogar denkbar, daß man so viele dieser Fälle zugestehen müßte, daß Grenzen eher nicht offen wären, gemessen an einem abstrakten Maßstab. Dafür hat man aber auch den Vorteil, daß man ab jetzt von ähnlichen intuitiven Annahmen ausgehen kann wie die vieler anderer Menschen, inklusive vieler Gegner von offenen Grenzen, und der Vorwurf einer Prinzipienreiterei entfällt, die keine Rücksicht auf Gegebenheiten nimmt.

Eine solche Position ist dabei durchaus nicht die Bestätigung des Status Quo. Dieser geht nämlich von der umgekehrten Beweislast aus:

Im Zweifelsfall sollten Grenzen geschlossen sein. Ausnahmen sind nur zulässig in wohlbegründeten Fällen. Es gilt ein starker Vorbehalt für geschlossene Grenzen. Die Regel sind geschlossene Grenzen, die Ausnahme sind offene Grenzen.

Bei der hier angestellten Betrachtung ging es nur darum ein Prinzip „im Zweifel für offene Grenzen“ zu erläutern. Wie gesagt, könnte sich bei näherem Hinsehen herausstellen, daß daraus nichts wesentlich anderes als der Status Quo ergäbe. Daß das nicht so ist und daß eine Position „im Zweifel für offene Grenzen“ zu sehr anderen Schlüssen führt und eine große Veränderung gegenüber dem gegenwärtigen Zustand darstellen würde, das läßt sich nicht in ein paar Sätzen zeigen. Dazu muß man sich auf die Argumente für geschlossen Grenzen in bestimmten Fällen einlassen.

Es sei nur bemerkt, daß die obigen Einwände im Sinne einer Zombiearmee zu fast keinen Konsequenzen führen: Ja, in diesen Fällen mag es gute Gründe geben, die Grenzen auch mal geschlossen zu halten. Aber dafür sind diese Fälle auch wirklich eine extreme Ausnahme. Der Anhänger offener Grenzen kann diese Ausnahmen relativ einfach zugestehen, ohne daß sich praktisch viel an seiner Position gegenüber einer absoluten Position für offene Grenzen ändern würde.

[Dieser Artikel ist zuerst auf dem Blog "Offene Grenzen" erschienen.]

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Die Reichstagswahlen

Neue Freie Presse, Wien, 23. Februar 1890

Berlin, 20. Februar. [Orig.-Corr.] (Die Reichstagswahlen.) Die Voraussage, daß die Wahlen schwere Verluste der Cartellparteien zu Gunsten der Freisinnigen, mehr aber noch zu Gunsten der Social-Demokraten ergeben würden, hat ihre Bewahrheitung gefunden. Nur, daß sie in solchem Grade zum Vortheil der Social-Demokraten ausfallen würden, wurde nicht erwartet. Die Beseitigung des Cartells tritt hinter der Thatsache des erstaunlichen Anwachses der Social-Demokraten weit in den Hintergrund Die in begreiflichem Schrecken von der bisher so hochgemuthen National-Zeitung ausgegebene Parole “Zusammenschluß aller bürgerlichen Parteien gegen die Social-Demokratie” zur Vertheidigung der Gesellschaft findet zwar im Augenblick noch nicht viel Gegenliebe bei den Freisinnigen, die noch nicht vergessen können, wie sie geschmäht und proscribirt worden sind, so daß vor den Wahlen vielfach ganz offen die Losung ausgegeben war: Lieber einen Social-Demokraten als einen Freisinnigen. Aber in dem Augenblicke, wo man vor der Möglichkeit steht, statt dreizehn vielleicht vierzig Social-Demokraten in den Reichstag zu bekommen, verändert sich denn doch die Lage. Man hat das Gefühl, als müßten die gestrigen Wahlen nicht nur zu einer neuen Gruppirung, sondern zu einer völligen Umbildung der bürgerlichen Parteien den Anstoß geben.

Zunächst gilt es allerdings, den Umfang und den Charakter der neuen Erscheinung zu kennen. Noch ehe das gesammte Wahlergebniß festgestellt ist, erkennt man aus den vorliegenden Resultaten einen starken Rückgang der Cartellparteien, an welchem zwar die National-Liberalen am stärksten betheiligt sind, der aber doch eine Niederlage aller Cartellparteien darstellt, denn in vielen Wahlkreisen, welche die National-Liberalen jetzt verloren, wurden sie ja von den konservativen Fractionen unterstützt. Dem gegenüber steht eine unzweifelhafte Zunahme der freisinnigen Stimmen Es ist ein großer Erfolg dieser von allen Anderen bekämpsten Partei, wenn sie auf den ersten Hieb sechzehn Sitze erlangte Um so viel größer erscheint freilich der der Social-Demokratie, der in der That eines besonderen Studiums bedürfen wird. Man sieht sie, was weiter nicht verwundert, in großen Städten und Industrieorten siegen, in Sachsen, welches allerdings der industriereichste Mittelstaat ist, im ersten Wahlgange sieben Sitze erobern, trotz der hochconservativen Strömung der dortigen, Bourgeoisie und der Bureaukratie ein Beweis, da dort, wo die gesellschaftlichen Gegensätze am schroffsten betont werden, die Massen auch am stärksten reagiren. Bekam ja bei den Verhandlungen über das Socialisten-Gesetz die sächsische Regierung das Zeugniß von Bebel und von anderen Rednern, daß sie diejenige sei, welche das Socialisten-Gesetz am schärfsten handhabe. Aber höchst merkwürdig ist der Umstand, daß in relativ dünn bevölkerten ländlichen Kreisen, wie in dem Wahlkreise Teltow-Breskow-Storkow um Berlin, Ober-Barnim oder in Randow-Greifenhagen in Pommern, wo allerdings die große Stadt Stettin ihren Einfluß ausübt, die Social-Demokraten so große Stimmenzahlen erhielten, daß sie mit guten Aussichten in die Stichwahl kommen oder einzelne solcher Sitze endgiltig erhalten.

Andererseits ist zu verzeichnen, daß das Centrum im Ganzen seinen Bestand erhält oder sogar vergrößert und daß ebenso im Osten die konservativen Grundbesitzer und Landräthe noch wenig in ihrem Besitzstand erschüttert scheinen. Es sind dies diejenigen Gegenden, in denen entweder wie beim Centrum noch religiöse Momente trotz der Beseitigung des Culturkampfes durch Gewohnheit wirken oder wo, wie weit im Osten, in Ostpreuße, Littauen etc. die politische Bildung der Landbevölkerung noch eine sehr geringe ist. Unter diesen Umständeinbleiben die Zurückdrängung des Cartells und die Erfolge der Social-Demokraten die wichtigsten Erscheinungen der gestrigen Wahl. In den letzteren möchten wir nicht so sehr eine Bekehrung der Massen, welche diesmal für socialistische Candidaten stimmten, zu den socialistischen Utopien sehen, als eine Verurtheilung der in den letzten zwölf Jahren herrschenden Politik in naiver Form. Die Massen sind durch Vertheuerung der Lebensmittel und durch das Ausnahmegesetz, allmälig in eine erbitterte Stimmunig gerathen, der sie durch das geheime Stimmrecht den bequemsten Ansdruck geben konnten; zugleich sahen sie, daß von Seite der Regierenden mit der Botschaft vom 17. November 1881 auf die Grundlage der socialistischen Ansprüche mit Wohlwollen eingegangen wurde, daß der gefürchtetste Staatsmann das Wort vom christlichen Socialismus oder — um seinen eigenen Ausdruck zu brauchen — vom “praktischen Christenthum, vom socialen Königthum und vom Rechte auf Arbeit” in Umlauf setzte. “Wer hat, dem wird gegeben, und wer nicht hat, dem wird genommen,” sagte damals der Reichskanzler, indem er die bestehenden Verhältnisse mit bitterer Ironie kritisirte. Das Reich beschloß nachher noch das Alters- und Invaliden-Versorgungs-Gesetz mit dem Reichszuschusse — warum sollte der gemeine mann nicht wirklich glauben, daß das socialistische Millenium gekommen sei? Und wenn er es auch nicht glaubte, so konnte es ja immerhin auch von ihm versucht werden, wenn’s die hohen Herren probiren.

In den akademischen Kreisen, welche vor Jahren die “ethische” National-Oekonomie in die rechnende einführten, wurde es mit Bewunderung bemerkt, daß der große Realpolitiker so menschlich gütige Seiten zeigte, sich auch der Armen und Elenden — freilich wie die Korn- und Fleischzölle und die Branntweinsteuer bewiesen, auf ihre eigenen Kosten — annahm. So entstand allmälig in den Bürgerkreisen jene traurige Reaction gegen den liberalen Theil der Gesellschaft, der zuerst verspottet, dann immer mehr zur Seite gedrängt und schließlich als schlimmerer “Reichsfeind” denn die Social-Demokraten proscribirt wurde, wiewol durch seine Mithilfe, alle freiheitlichen und wirthschaftlichen Errungenschaften entstanden waren, welche auch dem Arbeiterstande ein bürgerlich gleichberechtigtes menschenwürdiges Dasein schufen.

Diejenigen, welche heute an die Vereinigung aller bürgerlichen Parteien appelliren, sollten nicht vergessen, daß sie noch gestern die Freisinnigen als “die Vorfrucht der Social-Demokratie” — auch ein geflügeltes Wort des Fürsten Bismarck — befehdeten, während eben diese Freisinnigen bisher die einzigen consequenten und, so lange die herrschenden Parteien sie nicht an die Wand drückten, auch die erfolgreichsten Gegner der Social-Demokratie waren und geblieben sind. In Berlin hat trotz der Ueberhandnahme der Areiter in den Außenvierteln, trotz seines industriellen Aufschwunges die Social-Demokratie erst von dem Augenblicke an in den wohlhabendsten und gebildetsten Stadttheilen Fuß gefaßt, wo die alte geeinte Gegnerschaft der bürgerlichen Parteien unter Fürung der Fortschrittspartei von den Vertretern der neuen Richtung und der widerlichen “Berliner Bewegung” mit dem Rufe: “Den Fortschrittsring zu sprengen”, befehdet wurde. So steht Berlin vor dem demüthigenden Schauspiel, einen Virchow mit einem geistesschwachen Buchbindergesellen, dem Polen Janiszewski. der lediglich das Verdienst hat, für die Social-Demokratie das Martyrium der Gefangenschaft erduldet zu haben, um die Mehrheit ringen zu sehen, während die gebildete Bevölkerung, so weit sie nicht freisinnig ist, passiv zur Seite steht. In der That ist dieses Beispiel ein Paradigma dafür, daß lediglich die Zersetzung des Bürgerthunis durch die einseitigen, von den äußerlichsten Beweggründen beherrschten Strömungen der letzten Jahre die Gefahr einer social-demokratischen Ueberfluthung erschreckend nahegerückt hat. Erst wenn man in Deutschland wieder einsehen wird, daß ein geeintes, aber freigesinntes Bürgerthum gleichviel unter welchem Parteinamen die besten Daseinsbedingungen für alle Stände bietet, wird sich das anscheinend gestörte Gleichgewicht zwischen den Bevölkerungskreisen und Schichten wieder herstellen. Vielleicht bezeichnet der 20. Februar 1890 den Beginn dieses Gesundungsprocesses, der sich aber nicht ganz glatt vollziehen dürfte.

Siehe auch:

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Rosemarie Nitribitt: Recherchen und Theorien

Im Jahr 1957 erschütterte ein Skandal die junge westdeutsche Republik: der Mord an Rosemarie Nitribitt in Frankfurt am Main. Wie sich herausstellte, hatte die Edelprostituierte in Beziehung zu einer Reihe hochstehender Persönlichkeiten gestanden und mit ihrer zielstrebigen Arbeit ein kleines Vermögen angespart, was alles nicht ganz zum Bild eines gefallenen Mädchens am Rande der Gesellschaft passen wollte. Dies und auch einige offensichtliche Ermittlungspannen der Polizei haben seitdem die Fantasie angeregt. In zahlreichen Zeitungsreportagen, Büchern, ja sogar Filmen wurde der Fall ausgelotet. Die Grenze zu Verschwörungstheorien verschwamm dabei in den wildesten Spekulationen, die Staatssicherheit etwa oder Politiker in der westdeutschen Regierung seien in das Verbrechen verwickelt gewesen.

Guido Golla rollt nun in seinem Buch „Rosemarie Nitribitt: Recherchen und Theorien“ den Fall erneut auf. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern standen ihm dabei Quellen zur Verfügung, die erst in jüngster Zeit freigegeben wurden. Insbesondere tauchten dabei Akten wieder auf, die in den Archiven einfach nur verlegt, nicht aber, wie zuvor oftmals behauptet, unter mysteriösen Umständen verschollen waren. Allein das widerlegte bereits gewisse Theorien, es sei zu einer umfassenden Vertuschung der Umstände gekommen, unter denen Rosemarie Nitribitt zu Tode kam.

Mit wissenschaftlicher Akribie geht Guido Golla daran, die Fakten zusammenzutragen, die über den Fall Nitribitt bekannt sind. Manche Lücken müssen hierbei bleiben aufgrund von Spuren, die seinerzeit nicht weiterverfolgt wurden, Ermittlungspannen der Polizei und dem Umstand, daß viele der handelnden Personen heute nicht mehr leben und somit ihr Wissen verloren ist. Dennoch stellt sich auf diese Weise ein recht engmaschiges Netz von Tatsachen ein, das zu plausiblen Schlußfolgerungen die Grundlage bieten kann.

Und diese Schlußfolgerungen zieht Guido Golla dann Schritt für Schritt. Mit großer Sorgfalt tastet er sich dabei vor und baut seinen Fall auf. Wie wahrscheinlich wäre es denn gewesen, daß einer der hochgestellten Kunden Rosemarie Nitribitt ermordet haben könnte? Hatten diese Kunden hinreichende Motive und Gelegenheiten? Die Antwort mag für Freunde von Verschwörungen ernüchternd sein: Es erscheint nur wenig plausibel, daß der Täter aus einer solchen Richtung kam. Dafür schält sich immer mehr heraus, daß der auch von der Polizei in erster Linie verdächtigte Heinz Pohlmann am ehesten als Mörder in Frage kommt.

Natürlich ist das kein gerichtsverwertbarer Beweis – Pohlmann wurde ja tatsächlich angeklagt und aufgrund von Schwierigkeiten freigesprochen, ihm die Tat lückenlos nachzuweisen. Aber wenn man sich nur ein Bild davon machen möchte, wer in Frage kommen könnte ohne letzte Sicherheit, so ist dies wohl, wie Guido Golla, überzeugend darlegt, die wahrscheinlichste Interpretation der Vorgänge. Auch wenn das ein etwas unspektakuläres Ergebnis ist, lohnt sich die Lektüre des Buches vielleicht gerade deswegen. So ist es allein schon interessant zu verfolgen, wie die abwegigeren Theorien zustandekamen und auf wie wenig sie sich gründeten. Nebenbei fallen dabei viele interessante Einblicke in das Leben und die Denkweise der Bundesrepublik in den 1950er Jahren ab.

Die fast schon wissenschaftliche Herangehensweise von Guido Golla könnte auf den ersten Blick ein eher trockenes Werk verheißen. Das ist aber nicht so. Zwar werden tatsächlich alle Tatsachen genau bis in die Fußnoten belegt; doch gerade, weil Guido Golla sich davon fernhält, journalistisch Zusammenhänge zu insinuieren, wird das Buch besonders spannend. Man kann in jedem Schritt genau verfolgen, wie die Argumente aufeinander aufbauen, selbst mitdenken, ob es andere Möglichkeiten geben könnte, und so seine eigenen Schlußfolgerungen ziehen. Sachverhalte, die sich nicht mit den zur Verfügung stehenden Informationen entscheiden lassen, werden offen gelassen und nicht gewaltsam in ein vorgefertigtes Bild hineingezwungen.

Fazit: Ein spannendes und gerade durch seine Wirklichkeitsnähe packendes Buch, das sich gut liest und einen nicht losläßt.

[Full Disclosure: Wir sind an der Entstehung des Buches zu einem kleinen Teil (Korrekturlesen, Diskussion über einige Punkte) beteiligt, nicht aber an seinem Erfolg.]
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Eine Theaterprobe

von Alexander Moszkowski, 1912

Der Regisseur: Den dritten Akt, wenn’s gefällig ist! Herr Kloßmann, beginnen Sie! — Schauspieler Kloßmann: Mrrr — klungs — äff — hm — hm — rxl — schnuff. — Der Regisseur: So war’s ziemlich gut; nur noch etwas diskreter wünsche ich diese Stelle. Sie haben zu sprechen: “Ich fand zu Hause einen Zettel von Ihnen, was hat das zu sagen.” Bitte noch einmal. — Kloßmann (spricht seine Rolle): Ich fd z H Settl von Ih — mrx — pff — krr — zu sagen. — Der Regisseur: Immer noch etwas zu deutlich! Meine Damen und Herren, wir kommen nicht vorwärts, wenn Sie sich nicht angewöhnen, konsequent unverständlich zu sprechen. Fräulein Gaumig, fahren Sie fort. Sie haben zu erwidern: “Ich muß unbedingt mit Ihnen reden.” — Frl. Gaumig: ch u bdngt pst Ih rrr. — Kloßmann (den Bühnendialog fortsetzend): So? plff unbed krx rr schlff. — Der Direktor (von der Loge aus): Nein, nein, so geht’s nicht! Ich habe hier soeben das eine Wort “unbedingt” ganz deutlich verstanden, das — zerstört die Illusion! Berliner Sprechstil, meine Herrschaften! Denken Sie ans Publikum! Die Leute sind heutzutage in dieser Hinsicht so verwöhnt. Man will keine wohltönenden Deklamationen, — dazu bezahlt keiner fünf Mark Entree, — man will deuten, erraten, mutmaßen, — das ist eben die Kunst! — Der Regisseur: Oder noch besser: denken Sie gar nicht an’s Publikum. Sie erzählen sich da oben auf der Bühne Geheimnisse, die das Parkett nichts angehen. Das ist das Wesen des Naturalismus. — Kloßmann (in der Rolle):- Hub wr bdx ll ll sss sss prf uif. — Der Regisseur: Noch immer zu laut und klar! Herrgott, Sie haben doch die schöne diphtheritische Stimme, benutzen Sie sie doch, um das zu verschweigen, was in Ihrer Rolle steht! — Der Direktor: Wir müssen die ganze Sache noch einmal von vorn proben. Vor allen Dingen, Herr Kloßmann, machen Sie sich eine andere Maske. Der Bart muß Ihnen dermaßen um den Mund herumhängen, daß auch die letzten Schallwellen darin stecken bleiben. Dann behalten Sie, bitte die Zigarre beim Sprechen dauernd zwischen den Zähnen . . . — Der Regisseur: Und namentlich: kehren Sie dem Parkett den Rücken. Noch mehr herum . . . So! — Der Direktor: Inspizient! Verfinstern Sie doch alles radikal! Es genügt nicht, daß man nichts hört, man darf auch nichts sehen. Wenn man erst nichts sieht, versteht man noch weniger als nichts, und darauf kommt es an. — Der Regisseur: Und während dieser Verfinsterung sprechen Sie Ihre Rolle ganz hinten in die Kulisse hinein. — Kloßmann (in der Rolle): F — — l — — x — — x — — s — — l — — Der Direktor: So ist’s gut! jetzt haben wir endlich den richtigen Berliner dramatischen Sprechstil! Bravo! Das wird ungeheuern Effekt machen!

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Die deutschen Reichstagswahlen

Neue Freie Presse, Wien, 21. Februar 1890

(Telegramme der “Neuen Freien Presse”.)

Berlin, 20. Februar. Die Reichstagswahlen vollzogen sich heute sehr ruhig, ohne besonders hervortretende äußere Erscheinungen. Allgemein bemerkt wurde das gänzliche Fehlen des christlich-socialen und antisemitischen Elements, wodurch die heutigen Wahlen von den gehässigen Zügen der letzten und vorletzten Reichstagswahlen frei blieben. Die Betheiligung war bis Mittag nicht auffallend stark. Die Arbeitermassen wurden erst Nachmittags erwartet und strömten auch erst von 4 bis 6 Uhr in die Wahllocale. Mit der größten Spannung sieht man dem Ergebnisse im zweiten Wahlkreise entgegen, wo durch den Zuwachs an der Stadtperipherie seit 1887 mehr als zehntausend Wähler, meist dem Arbeiterstande angehörig, hinzugekommen sind.

Der Kaiser ließ heute Mittags die ganze Berliner Garnison allamiren. Der Sammelplatz war das Tempelhofer Feld bei Berlin, wohin die erstaunte Bevölkerung die Infanterie raschen Schrittes, die Reiterei im Trab eilen sah. Das ungewohnte Schauspiel erzeugte das Gerücht, die Truppen seien zur Bekämpfung von Unruhen anläßlich der Wahlen ausgerückt, was sich bald als unbegründet erwies. Nirgends war die Ruhe gestört worden, und die Truppen rückten lediglich zu Uebungen an den genannten Ort ab, denen der Kaiser ebenfalls beiwohnte. Erst nach 5 Uhr kehrten die Truppen zurück.

Berlin. 20. Februar. Der Reichskanzler wählte im ersten Wahlkreise um 4 Uhr im Wahllocal des Herrenhauses. Bei Ausgabe des Stimmzettels sagte er zum Wahlcommissär: “Es ist wol das letztemal, daß wir uns hier sehen.” Als der Wahlcommissär unter Hinweis auf die Rüstigkeit des Kanzlers Widerspruch, erwiderte dieser: “Aber ich bin 75 Jahre alt, und fünf Jahre sind eine lange Zeit.” Der Kanzler, der die Cürassier-Uniform trug, sah übrigens sehr wohl aus und grüßte verbindlich nach allen Seiten, auch die Zettelvertheiler der verschiedenen Parteien.

Berlin, 20. Februar: Die Berliner Wahlen ergaben bisher folgendes Resultat: Die Freisinnigen kommen in vier Wahlkreisen in die Stichwahl. Im ersten Wahlkreise findet zwischen dem Freisinnigen Träger, der 6467 Stimmen erhielt, und dem Conservativen Zeidler, für den 4529 Stimmen abgegeben wurden, eine Stichwahl statt; der Social-Demokrat Schulz erhielt 3516 Stimmen, v. Kehler (Centrum) 203 Stimmen. Im zweiten Wahlkreise kommt Virchow, der 16,302 Stimmen erhielt, mit dem Social-Demokraten Janiszewski, auf den 16,432 Stimmen entfielen, in die Stichwahl, der Conservative Irmer erhielt 12,368, Kehler (Centrum) 334 und der Demokrat Melos 14 Stimmen. Im dritten Wahlkreise findet eine Stichwahl zwischen dem Freisinnigen Munckel und dem Social-Demokraten Wildberger statt. Im fünften Wahlkreise kommt es zur Stichwahl zwischen dem Freisinnigen Baumbach und dem Social-Demokraten Auerbach. Im vierten und sechsten Wcihltreise ist die Wahl der Social-Demokraten Singer und Liebknecht gesichert.. Das heutige Wahlergebniß unterscheidet sich von dem im Jahre 1887 dadurch, daß damals im zweiten Wahlkreise eine Stichwahl zwischen Virchow und dem conservativen Candidaten stattfand, während es jetzt zu einer solchen zwischen Virchow und dem Candidaten der Social-Demokraten kommt. Die Stimmenanzahl der Social-Demokraten ist gestiegen, die der Conservativen stark gefallen, im zweiten Wahlkreise allein von 19,000 auf 12,000.

Berlin, 20. Februar. Im zweiten Wahlkreise ist die genaue Stimmenzahl folgende: Für Virchow wurden 17,772 (um 1000 mehr als 1887), für den Social-Demokraten Janiszewski 19,000 Stimmen abgegeben. Im dritten Wahlkreise erhielt Munckel 11,574, der Social-Demokrat Wildberger 12,278, im fünften Baumbach 10,060, der Social-Demokrat Auerbach 7232, der Conservative Lüdke 4324 Stimmen. Im Ganzen ist die Zahl der freisinnigen Stimmen im Vergleiche zu der im Jahre 1887 gleichgeblieben. Die Conservativen haben im Ganzen um mehr als 10,000 Stimmen verloren. Die social-demokratischen Stimmen sind hauptsächlich durch den Zuzug von Arbeitern in den neu entstandenen Bezirken angewachsen.

Auch aus den Provinzen wird ein starkes Anwachsen der social-demokratischen Stimmen gemeldet, so aus Ost-Havelland, Frankfurt an der Oder, Sonneberg (Thüringen) und Königsberg, wo der national-liberale Bürgermeister Hoffmann durchgefallen ist und der Freisinnige Pappendiek mit dem Candidaten der Social-Demokraten in die Stichwahl kommt.

Berlin, 20. Februar. Ueber auswärtige Ereignisse liegen folgende Meldungen vor. In Danzig kommt es zu einer Stichwahl zwischen Rickert und dem Cartell-Candidaten. In Magdeburg (bisher national-liberal) wurde der social-demokratische Candidat gewählt. In Breslau (West) findet eine Stichwahl zwischen den Candidaten der Freisinnigen und der Social-Demokraten statt. In Breslau (Ost) hat der social-demokratische Candidat gesiegt. In Stettin kommt es zu einer Stichwahl zwischen dem Freisinnigen Broemel und dem Candidaten der Social-Demokraten. In Bremen findet eine Stichwahl zwischen dem National-Liberalen Pappendiek und dem social-demokratischen Candidaten, in Nordhausen (bisher freisinnig) eine Stichwahl zwischen Träger und dem Candidaten der Reichspartei statt. In Hagen wurde Richter mit großer Mehrheit gewählt.

Frankfurt am Main, 20. Februar. Die heutige Reichstagswahl ergab die Nothwendigkeit einer Stichwahl zwischen dem Socialisten Schmidt und dem Candidaten der Cartellparteien, Rechtsanwalt Oswalt. Ersterer erhielt 7268, Letzterer 7083 Stimmen.

Dresden, 20. Februar. In Dresden-Altstadt wurde der Conservative Hultzsch mit 16,541 Stimmen wiedergewählt; auf den Socialisten Schönfeld entfielen 13,427, auf den Deutsch-Freisinnigen Alexander Meyer 1924 Stimmen. In Dresden-Neustadt ist die Wiederwahl des Conservativen Klemm zweifellos.

Dresden, 20. Februar. Gewählt wurden die Socialisten: Geyer in Leipzig (Land), Schippel in Chemnitz, Auer in Glauchau und Stolle in Zwickau. Zu Stichwahlen kommt es in Leipzig zwischen Götz und Bebel, in Zittau zwischen Buddeberg und dem National-Liberalen Seebald und wahrscheinlich in Schneeberg zwischem dem National-Liberalen Kulbaum und dem Socialisten Seifert, sowie in Annaberg zwischem dem National-Liberalen Solzmann und dem Deutsch-Freisinnigen Krause. In den übrigen Wahlkreisen haben wahrscheinlich die Cartellparteien gesiegt.

Darmstadt, 20. Februar. In Darmstadt (Stadt) erhielt Osann (Cartell) 4081, Müller (Socialist) 2090 und Munckel (freisinnig) 1820 Stimmen. In der Stadt sammt 42 Ortschaften entfielen auf Osann 8670, auf Müller 5541 und auf Munckel 3442 Stimmen. Aus 6 Dörfern fehlen noch die Resultate. Osann und Müller kommen wahrscheinlich in die Stichwahl.

Worms, 20. Februar. Im Wahlkreise Worms ist die Wahl Marquardsen’s (Cartell) gesichert.

Nürnberg, 20. Februar. Der Social-Demokrat Grillenberger wurde mit großer Majorität gewählt.

Stuttgart, 20. Februar. Im Stuttgarter Wahlkreise ist eine Stichwahl zwischen Siegle (Cartell) und dem Social-Demokraten Kloß nothwendig.

(Telegramme des Correspondenz-Bureau.)

Hamburg, 20. Februar. Das Wahlresultat in München I ist folgendes: Sedlmayer (national-liberal) erhielt 7300, Graf Preysing (Centrum) 4440, Seyboth (freisinnig) 1234, Birk (Socialist) 7539 Stimmen. Somit ist zwischen Sedlmayer und Birk eine Stichwahl erforderlich. In München II erhielten bis jetzt (10 ½ Uhr Abends, — die Landbezirke sind noch größtentheils ausstehend): Metzeler (liberal) 5327, Zimmermeister Leib (Centrum) 5225 und Vollmar (Socialist) 16,800 Stimmen.

In Augsburg ist die Wahl Biehl’s (Centrum) gesichert. In Wasserburg wurde Verleger Fischer (Centrum) gewählt. In Regensburg (Stadt) erhielt Graf Walderndorff (Centrum) 2199, Hofmann (liberal 1171, Grillenberger (Socialist) 580 Stimmen. Die Wahl Walderndorff’s ist unzweifelhaft.

Siehe auch:

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Bild des Monats – März 2014

Das Bild stammt von Alexandra Kankeleit. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung, und schöne Grüße nach Berlin und Frankfurt/Oder aus Frankfurt am Main.

Vorheriges Bild

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18. März – der unbekannte Feiertag

Aus Wikipedia, besonders der deutschen, würde man es bestimmt nicht erfahren. Hier hat man sich große Mühe gegeben, die unbedeutendsten Ereignisse der letzten tausend Jahre herauszufiltern, als da wären:

  • 1314 – Jacques de Molay, der letzte Großmeister des zwei Jahre zuvor aufgelösten Templerordens, wird in Paris als Ketzer hingerichtet.
  • 1414 – Der Habsburger Ernst der Eiserne wird als Herzog von Kärnten auf dem Fürstenstein in Karnburg eingesetzt.
  • 1914 – In Cannstadt kommt der schwäbische Mundartdichter Thaddäus Troll zur Welt.
  • 1944 – Beim bislang letzten Ausbruch des Vesuv (Bild) kommen 26 Menschen ums Leben.
  • 1994 – Zwei Jahre nach Beginn des Bosnienkriegs unterzeichnen Vertreter kroatischer und muslimischer Bevölkerungsgruppen den Vertrag zur Gründung der Föderation Bosnien und Herzegowina.

Erst wenn man etwas weiter einsteigt, stößt man darauf, daß am 18. März 1848 auch noch etwas anderes passierte:

File:Alexanderplatz Berlin 1848.jpg

Uns Alt-48ern, die wir nunmehr schon auf die 200 zugehen, braucht man das nicht zu sagen. Gegen Soldaten helfen nur Demokraten. Ehre den Märzgefallenen!

Immerhin haben wir einen Artikel in der WELT gefunden, dem wir mit Abstrichen zustimmen würden:

Warum heute ein nationaler Gedenktag sein sollte

Wir teilen dabei nicht die Fixierung auf “Einheit” und “national” — man beachte die Richtung aus der der Autor kommt (siehe Ende des Artikels). In wievielen Staaten man lebt, ist uns eigentlich egal. Ubi libertas, ibi patria!

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Links der Woche

Aufgrund von privaten Entwicklungen haben sich die “Links der Woche” etwas verschoben. Wir ziehen das langsam wieder grade. Aktuelle Links gibt es fortlaufend auf unserer Facebook-Seite. Hier eine Auswahl der aus unserer Sicht interessantesten (fett die engere Auswahl):

  1. Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: Constitutions Quantified
  2. Matthew Feeney bei Reason: A Tragic Socialist Experiment is Ruining Venezuela
  3. Peter Mokwa bei Freitum: Das Elend des deutschen Liberalismus
  4. Fernando Teson bei BleedingHeartLibertarians: Global Justice and the Problem of Kleptocracies
  5. Maximilian Weingartner bei der FAZ: „Amerikas Strategie gegen Russland funktioniert nicht“
  6. James Schneider bei EconLog: Even When More Isn’t Merrier, It Can Still Be Better
  7. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Elephant discrimination
  8. handwerk: Offene Grenzen stärken den Wohlstand
  9. Greg Mankiw: In choosing whether to major in econ, women respond more to grades than men
  10. Bryan Caplan bei EconLog: What Does Public Schooling Teach Us About Predatory Pricing?
  11. Alexander Wendt bei Achse des Guten: Der grüne Blackout: Wie ich Mainstream wurde
  12. TechDirt: Gibberish-Loaded Fake Papers Are Flooding Academia And A New Cat And Mouse Detection Game Is Afoot
  13. Yuriy Gorodnichenko und Gérard Roland bei VoxEU: What is at stake in Crimea?
  14. Shikha Dalmia bei Reason: Hispanic Immigrants Find Their Own Way to the American Dream
  15. Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: The SAT, Test Prep, Income and Race
  16. Tiago Ribeiro dos Santos bei Open Borders: What would be the best way to advance feminism? Open borders
  17. Freunde der offenen Gesellschaft: Christian Lindner: Euro-Protektionismus statt eine verflochtene Weltwirtschaft
  18. Stefano DellaVigna, John List, Ulrike Malmendier und Gautam Rao bei VoxEU: Voting to tell others
  19. Tyler Cowen bei MarginalRevolution: Your porn is not Canadian enough
  20. Arnold Kling bei askblog: Internet Bubble 2.0 Watch
  21. Bryan Caplan bei EconLog: Blame the Republicans – BESTER ARTIKEL DER WOCHE
  22. Daniel Mitchell: A Fiscal Lesson from Germany
  23. Clara Capelli und Gianni Vaggi bei VoxEU: A better indicator for standard of living: The Gross National Disposable Income
  24. Alex Tabarrok bei MarginalRevolution: The Great Divide over Market Efficiency
  25. The Economist: Videographic: Migration:
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